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ORTSTERMIN: BEGRÜSSUNG DER IP-STIPENDIATEN DES BUNDESTAGES
Götz Hausding
Noch nie einen Menschen aus Moldau getroffen

Der Ungar ist ewig schwermütig und träumt vom Meer und dem Gebirge. In Weißrussland gibt es nur Kartoffeln und Wodka zu kaufen. Französinnen haben an jedem Wochentag einen anderen Geliebten und Polen arbeiten in Kohleminen, sind andauernd betrunken und werfen sich in den Staub, sobald ein katholischer Würdenträger des Weges kommt. Mit einem gehörigen Maß an Selbstironie und teils erstaunlichen schauspielerischen Qualitäten haben die Teilnehmer am diesjährigen Programm des Internationalen Parlamentsstipendiums (IPS) bei der offiziellen Eröffnungsveranstaltung am vergangenen Donnerstag in der Freien Universität (FU) Berlin sich und ihre Herkunftsländer vorgestellt. Getreu dem Motto: Vorurteile sind furchtbar - lasst uns darüber lachen.

Einer der Höhepunkte aus schauspielerischer Sicht war der Auftritt der Vertreter aus Armenien, Russland und den USA. Sie stellten das derzeitige Leben des jungen Informatikers Edward S. nach, der - gestrandet in einem Land, "in dem die Menschen schon zum Frühstück Wodka trinken und die Demokratie immer noch geschützt und überwacht wird" - einen Brief an seinen Vater schreibt. Einfach köstlich: Stipendiaten, Abgeordnete und Ehrengäste waren begeistert.

Für die 120 IPS-Teilnehmer aus 31 Ländern beginnt nun der Ernst des Praktikums: Bis Ende Juli werden sie in den Büros "ihrer" Bundestagsabgeordneten arbeiten, die Wahlkreise besuchen oder an Veranstaltungen der politischen Stiftungen teilnehmen. "Vom IPS profitierten beide Seiten, das deutsche Parlament ebenso wie die Stipendiaten", sagte Bundestagsvizepräsidentin Edelgard Bulmahn (SPD) während ihrer Begrüßungsansprache. Das Parlament betrachte die Zusammenarbeit mit den Stipendiaten als Bereicherung und kulturelle Anregung. "Das tut uns gut", sagte Bulmahn. Die Stipendiaten wiederum könnten das politische System in Deutschland kennenlernen und erfahren, "wer bei uns wirklich das Sagen hat".

Gemeint seien damit natürlich die Abgeordneten, sagte augenzwinkernd der Leiter der für das IPS zuständigen Berichterstattergruppe, Bernhard Schulte-Drüggelte. Der CDU-Abgeordnete baute gleich mal ein bisschen positiven Druck auf. Nach dem Motto: Wer sich als Stipendiat gut macht, kann es weit bringen. Er verwies auf die der Veranstaltung beiwohnende Botschafterin Mazedoniens in Deutschland, Kornelija Utevska-Gligorovska, die auch einst zu den Stipendiaten gehört hat.

Durch das IPS könnten Freundschaften geknüpft werden, "die ein Leben lang halten", hatte zuvor schon Peter-André Alt, Präsident der FU und Gastgeber des Abends, angemerkt. Dass die Stipendiaten schon von Anfang an miteinander das Gespräch suchen, bestätigte Mona Sophie Meron aus Israel. Sie habe zwar noch nicht mit jedem einzelnen Stipendiaten gesprochen, "aber schon Vertreter aus jedem Land kennengelernt". Und Betsy Crowder aus den USA sagte: "Ich hatte zuvor noch nie einen Menschen aus Moldau getroffen. Und jetzt habe ich dort schon einen guten Freund." Hört sich so an, als ob das IPS auch im Jahr 2014 ein Erfolg werden könnte.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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