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Aschot Manutscharjan
Kurz notiert

Für ihr Buch "Der Gulag" erhielt die amerikanische Historikerin und Journalistin Anne Applebaum 2004 bereits den Pulitzer-Preis. Mit "Der Eiserne Vorhang" hat sie erneut ein empfehlenswertes Werk über die osteuropäische Tragödie vorgelegt. Obwohl die Thematik bereits in Hunderten wissenschaftlichen Studien und Artikeln bearbeitet wurde, gelingt es der Autorin auf Grund ihrer journalistischen Erfahrung, die Fakten unter Einbeziehung menschlicher Schicksale neu zu erzählen.

Anne Applebaum berichtete Ende der 1980er Jahre für den "Economist" und später für die "Washington Post" aus Warschau. In den Folgejahren beschäftigte sie sich mit der Entwicklung in den drei osteuropäischen Staaten DDR, Polen und Ungarn zwischen 1944 und 1956. Verheiratet ist die Direktorin des Legatum-Instituts in London mit dem polnischen Historiker und Außenminister Radek Sikorski.

Für ihr neues Buch nutzte Applebaum zahlreiche in Russland veröffentlichte neue Archivdokumente, außerdem recherchierte sie in den Archiven osteuropäischer Geheimdienste. Mit diesem Material kann sie beweisen, dass die Sowjetunion die Zivilgesellschaften in ihren Satellitenstaaten Osteuropas bewusst zerstörte. Nachdem dieses Ziel erreicht war, folgte die kommunistische Umerziehung.

Besonders eindrucksvoll sind die Berichte über die Juden, die den Holocaust überlebt hatten und anschließend in Osteuropa weiter diskriminiert wurden. Damit nicht genug: Als der Anführer der nationalistischen Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) realisierte, dass Nazi-Deutschland den Zweiten Krieg verlieren würde, trieb er die Gründung eines unabhängigen Staates in Südpolen und in der Westukraine voran. Rund 50.000 polnische Zivilisten, die in dem Gebiet lebten, wurden ermordet, Zehntausende flohen. Der ukrainische KP-Chef Nikita Chruschtschow setzte die Vertreibung der Polen aus den annektierten Gebieten fort. Zugleich schickte er 80.000 Westukrainer in den Gulag. Ihre Enkel demonstrieren heute auf dem Maidan in Kiew.

Anne Applebaum:

Der Eiserne Vorhang Die Unterdrückung Osteuropas 1944-1956

Siedler Verlag, München 2013, 639 S., 29,99 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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