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VOR 40 JAHREN ...
Benjamin Stahl
Brandts Nahostpolitik

21. April 1974: Erster Kanzler in Ägypten

Willy Brandt (SPD) ist vor allem für seine Ostpolitik bekannt. Doch in den 1970er Jahren betrieb der damalige Bundeskanzler auch Nahostpolitik - wenn auch zögerlich. Am 21. April 1974 traf Brandt als erster westdeutscher Regierungschef zu Gesprächen in Ägypten ein, das als politische Führungsmacht der arabischen Welt galt. Thema war neben der sich eben erst entspannenden Ölkrise vor allem der Nahostkonflikt.

Die Bundesrepublik war in den Augen des ägyptischen Präsidenten Anwar el- Sadat der ideale Vermittler zwischen Jerusalem und Kairo. Er vertraute darauf, dass Deutschland - im Gegensatz zu den USA und der Sowjetunion - nicht an einer eigenen Vormachtstellung in der Region interessiert war. Sechsmal traf Brandt während seines viertägigen Aufenthalts mit Sadat zusammen. Überzeugen konnte der Ägypter den Kanzler aber nicht, die Vermittlerrolle einzunehmen. Auch nicht durch einen Ausflug an den Suezkanal, wo sich ein halbes Jahr zuvor noch arabische und israelische Truppen gegenübergestanden hatten. Aus Brandts Umfeld hieß es schon vor der Reise: "Jeder, der dort den Vermittler spielen will, übernimmt sich." Entsprechend diffus fiel die Erklärung des Kanzlers zum Ende seines Besuchs aus: Ein politischer Friedensschluss im Nahen Osten könnte durch eine politische Garantie Europas abgesichert werden. Militärische Garantien schloss der Kanzler aus. Außerdem sei man sich einig, dass der deutsch-arabische Dialog zügig in die Wege geleitet werden sollte.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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