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AUFGEKEHRT
Julian Burgert
Familiäre Politik

Die Familie ist immer noch unser Liebstes. Nicht nur im Privaten, sondern auch in der Politik. Wie sonst ist zu erklären, dass Politikerdynastien auch in modernen Demokratien so en vogue sind?

Nun muss man gar nicht auf das Extrembeispiel Nordkorea blicken, wo der Kim-Clan schon in dritter Abfolge über seine "Familiendiktatur" herrscht, um Beispiele dafür zu finden. Nein, es reicht schon ein Blick in die ach so egalitären USA. Hier hat sich nicht erst seit den Kennedys ein spezieller Hype um Politikerdynastien etabliert, der jetzt in die nächste Runde geht. Jeb Bush, der jüngere Bruder des noch gut bekannten George W., schickt sich an, bei den Präsidentschaftswahlen 2016 für die Republikaner gegen die Demokratin Hillary Clinton anzutreten. Was wäre das für eine Sache: Auf Bush I folgt Clinton I, folgt Bush II, folgt Clinton II oder Bush III. Das Zwischenspiel Obama bestätigt dabei eher noch die Regel. Die Gründungsväter der amerikanischen Republik würden sich angesichts solcher royalistischer Entwicklungen wohl im Grabe umdrehen.

In Deutschland zeichnen sich ähnliche familiäre Abfolgen in politischen Ämtern noch nicht ab. Die heutigen Bismarcks und Adenauers kamen nicht an ihre Vorfahren heran, Graf Lambsdorff den Jüngeren hat es eher nach Straßburg denn nach Berlin gezogen und die Zukunft von Ursula von der Leyen (CDU) ist noch offen. Die Deutschen halten sich lieber an das Original und belassen die Kanzler einfach lange im Amt. Helmut Kohl 16 Jahre, Konrad Adenauer 14 Jahre und auf Platz drei kommt jetzt schon Angela Merkel (alle CDU). Für die Wähler haben beide Herangehensweisen den Vorteil: Der Name auf dem Stimmzettel bleibt gleich.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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