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Claus Peter Kosfeld
Versorgung in der Psychiatrie

ENTGELTSYSTEM PEPP

Gesundheitsexperten halten es für sinnvoll, das in psychiatrischen Fachkliniken vorgesehene neue Vergütungssystem PEPP weiterzuentwickeln und wirkungsvoller an die Bedürfnisse der Patienten anzupassen. Bei einer öffentlichen Anhörung des Gesundheitsausschusses vergangene Woche erklärten mehrere Fachleute zugleich, die Novelle sei grundsätzlich nötig und richtig. Patientenvertreter befürchten allerdings eine Verschlechterung der Versorgungslage.

Grüne und Linke sehen das Pauschalierende Entgeltsystem Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP) kritisch. Die Grünen verlangen in einem Antrag (18/849) Änderungen, die Linken beantragten (18/557) einen Stopp von PEPP. Befürchtet wird, dass in den Kliniken zu wenig Personal zu wenig Zeit für die Patienten hat und Fehlanreize gesetzt werden, weil das System letztlich nur darauf hinauslaufe, Kosten zu sparen. Kritisiert wird insbesondere die fallbasierte Tageskostenkalkulation mit degressiven Vergütungsstufen. Die Pauschalen sinken also nach einer bestimmten Behandlungsdauer. Vertreter des GKV-Spitzenverbandes und der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) erklärten, es habe diesbezüglich bereits Verbesserungen in dem "lernenden System" gegeben. So seien jetzt auch gleiche Tagessätze vorgesehen, mit denen die kritisierten Vergütungssprünge vermieden würden. Ein Sprecher der kinder- und jugendpsychiatrischen Fachverbände gab jedoch zu bedenken, dass insbesondere in diesem Bereich ausreichend Personal gebraucht werde. Derzeit sei das Personal "eher zu knapp". Eine Vertreterin des Verbandes der Angehörigen psychisch Kranker berichtete aus Kliniken, es gebe eine "immense Leistungsverdichtung" durch einen Wust an Dokumentationspflichten. So fehle Zeit für Patienten und betroffene Familien.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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