Inhalt

AUFGEKEHRT
Hans Krump
Feindschaft ohne Ende

Rivalitäten gibt es nicht nur in der Politik, auch unter Städten kann es robust zugehen. Köln gegen Düsseldorf, Kiel contra Lübeck, Dresden versus Leipzig - dafür gibt es viele Beispiele. Unübertroffen aber ist die Feindschaft zwischen Braunschweig und Hannover. Bei Fußballspielen geht es da so wild zu, dass kürzlich die 96er Fans beim Bundesligaspiel bei Braunschweigs Eintracht nur in eskortierten Bussen anreisen durften.

Jede despektierliche Äußerung führt sofort zu hitzigsten Reaktionen. So, als sich zuletzt ein Braunschweiger Historiker als "so ausländerfreundlich" bezeichnete, dass er sogar "Studierende aus Hannover in seine Vorlesungen lasse". Oder andererseits, als ein hannoverscher Rathausmann in einem offiziellen Schreiben Braunschweig als "verbotene Stadt" titulierte. Dabei hat es Hannover, als Hauptstadt Niedersachsens und dazu mit der "Hannover-Connection" von Gerhard Schröder, Sigmar Gabriel, Christian Wulff bis hin zu Carsten Maschmeyer gesegnet, gar nicht nötig, gegen die kleineren Nachbarn im Osten zu treten.

Denn Braunschweig hat alles verloren. Die Eintracht steht wieder mal vor dem Abstieg. Und die frühere Metropole Heinrichs des Löwen ("Die Löwenstadt"), einst viel mächtiger als das gut 50 Kilometer entfernte Hannover, ist heute nur noch ein Schatten ihrer selbst. 1692 bekamen die welfischen Vettern an der Leine die Kurfürstenwürde. 1714 gar bestieg der erste Hannoveraner Welfe den englischen Königsthron. Dazu wird am nächsten Wochenende in Hannover ein Ausstellungsreigen eröffnet - kein Wunder, dass sich Braunschweigs Oberbürgermeister dem Begehren widersetzte, daran teilzunehmen. Braunschweig muss auch in diesem Jahr kleinere Brötchen backen und erinnert an den 300. Todestag Herzogs Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag