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AUFGEKEHRT
Alexander Weinlein
Der gefallene braune Apfel

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. So heißt es zumindest. Doch nun schickt sich ausgerechnet der ehemalige NPD-Vorsitzende Holger Apfel an, dieses schöne deutsche Sprichwort zu konterkarieren. Denn der gebürtige Niedersachse und frühere NPD-Fraktionsvorsitzende im sächsischen Landtag hat dem alten germanischen Stamm der Sachsen den Rücken gekehrt und in Palma de Mallorca zusammen mit seiner Frau ein Lokal eröffnet. Nun gut, Apfel ist vielleicht der Meinung, dass Mallorca irgendwie auch deutsch sei. Schließlich hat "Malle Holger", wie er von seinen eigenen rechtsextremen Gesinnungsgenossen genannt wurde, schon mehr als 40 Mal Urlaub auf der Deutschen liebsten Mittelmeerinsel gemacht.

Oder hat sich Apfel nach seinem Parteiaustritt nicht nur weit von seinem Stamm, sondern auch von seinen Wurzeln entfernt? "Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach dem Süden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Land im Osten", hatte sich Adolf Hitler einst aus der Feder gekrampft. Das scheint Apfel nicht zu stören. Laut eigener Aussage stand er ja auch nie "für die Extreme der NPD". Und in seinem Lokal seien auch "Linke und Menschen anderer Nationalität willkommen", lässt er verlauten. Doch so manchem Apfel ist sein brauner Kern äußerlich nicht anzusehen.

"Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte", soll der Maler Max Liebermann 1933 angesichts des Fackelzugs der Nazis durch das Brandenburger Tor gesagt haben. Nach der auf Mallorca unlängst erlassenen "Verordnung für zivilisiertes Zusammenleben" kann man - in diesem Fall leider - auch nicht mehr so viel Sangria aus Eimern saufen, wie man kotzen möchte.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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