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ORTSTERMIN: NEUE SPRACHFÜHRER FÜR BEHINDERTE
Julian Burgert
Auf dem Weg zum inklusiven Parlament

"Wir lassen nicht locker, bis die Barrieren eingerissen sind", sagte Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt (SPD) auf der Dachterrasse des Reichstagsgebäudes. Denn: "Das Einreißen von Barrieren ist der Weg zu einer inklusiven Gesellschaft." Und einen großen Schritt auf diesem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft mit barrierefreiem Zugang zur Politik machte der Bundestag vergangene Woche, als Ulla Schmidt den neuen Sprachführer für die Besucher der Kuppel in leichter Sprache vorstellte. Schließlich ist der Bundestag das Parlament aller Deutschen und jeder soll ohne Probleme erfahren können, was hier geschieht. Das beinhaltet auch Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung.

Der neue Sprachführer richte sich deshalb besonders an Menschen mit intellektuellen Behinderungen, sagte Schmidt. Aber auch an Menschen, die sich nicht mehr so gut konzentrieren können oder eine Lese- und Rechtschreibschwäche haben. Diese hätten nun die Möglichkeit, alles über den Bundestag zu erfahren. "Wir wollen dieses Haus für alle Bürgerinnen und Bürger erfahrbar, erlebbar machen. Egal woher, wie alt oder ob mit körperlichen Einschränkungen", sagte Bundestagsvizepräsidentin Edelgard Bulmahn (SPD) dazu treffend.

"Leichte Sprache bedeutet, dass sprachliche Äußerungen an die Lesekompetenz der Nutzer angepasst sind", erläuterte Anne Wrede vom Büro für Leichte Sprache der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Bremen, das den Text des Audioguides in die leichte Sprache übertragen hat. So gibt es in leichter Sprache nur kurze Sätze. Es werden nur gebräuchliche Worte verwendet und bewusst Wiederholungen benutzt. Bildhafte Sprache wird, wenn möglich, weggelassen und Spielräume für unterschiedliche Deutungen des Textes werden vermieden.

Als weitere Neuerung stellte Vizepräsidentin Schmidt einen Videoguide für Gehörlose vor. Ein Moderator, der selber gehörlos ist, übersetzt den Text dabei in Gebärdensprache und ist auf einem kleinen Monitor zu sehen. Zehn Stück davon stehen den Besuchern zur Verfügung. Für Blinde bietet der Besucherdienst zudem eine Version des Audioguides an, bei der noch einmal ausführlicher beschrieben wird, was beim Gang auf die Kuppel zu sehen ist. Außerdem gibt es fünf Umhängekoffer mit Tastreliefs von bedeutenden Sehenswürdigkeiten der Umgebung, unter anderem der Siegessäule, dem Bundeskanzleramt und dem Brandenburger Tor. "Wir sind dazu verpflichtet, dass Menschen, die zum Beispiel blind sind, sehen können, was hier geschieht", sagte Bundestagsvizepräsidentin Schmidt, und verwies auf die UN-Behindertenrechtskonvention. Im Reichstagsgebäude selbst steht ein Tastmodell des Hauses, an dem Blinde die Konturen des Gebäudes und deren Proportionen nachvollziehen können. Zudem gibt es ein Umgebungsrelief des Regierungsviertels und ein Tiefenrelief des Plenarsaales und der Kuppel.

Doch nicht nur das Reichstagsgebäude, sondern auch die Internetpräsenz des Bundestags steht Menschen mit Handicap offen. So gibt es www.bundestag.de auch in leichter Sprache und in Gebärdensprache. J

Aus Politik und Zeitgeschichte

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