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Sandra Schmid
Wettbewerbsvorteil mit Schwächen

BILDUNG Koalition und Opposition streiten über sinkende Zahl neuer Ausbildungsverträge

Die Jugendarbeitslosigkeit ist mit unter acht Prozent in Deutschland so niedrig wie fast nirgendwo sonst in Europa. Und das deutsche Ausbildungssystem gilt als Exportschlager. Und dennoch geriet die Debatte über den Berufsbildungsbericht 2014 (18/1180) am vergangenen Donnerstag im Plenum zu einem Schlagabtausch über die Zukunft der beruflichen Bildung. Einig waren sich Koalition und Opposition einzig in der Auffassung, dass sich die duale Ausbildung in der Krise zwar bewährt habe, aber angesichts der aktuellen Herausforderungen zukunftsfest gestaltet werden müsse. Wie das zu schaffen sei, darüber gingen die Meinungen auseinander. Neben dem Berufsbildungsbericht lagen der Aussprache ein gemeinsamer Antrag von CDU/CSU und SPD (18/1451), sowie je eine Vorlage der Linken (18/1454) sowie der Grünen (18/1456) zugrunde.

Trotz aller Erfolge des Ausbildungssystems, das Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) zum Auftakt der Debatte als "entscheidenden Wettbewerbsvorteil" bezeichnete, musste sie auch Schwächen einräumen: Der Berufsbildungsbericht belege, dass die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge sinke, ebenso wie die Zahl der ausbildenden Unternehmen. Betriebliches Angebot und Nachfrage der Jugendlichen ließen sich schwerer zusammenführen: "Wir haben ein Passungsproblem." Rosemarie Hein (Linke) sah das anders: "Das ist eine Beschönigung. Wir haben eine massive Ausbildungslücke!" Der Ausbildungspakt sei gescheitert, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion und monierte, dass viele jungen Menschen in Übergangsmaßnahmen verharrten, die zu keiner Ausbildung führten. Sie bräuchten stattdessen einen "verbriefter Anspruch auf einen Ausbildungsplatz".

In diese Richtung zielte auch die Kritik der Grünen: Beate Walter-Rosenheimer hielt Union und SPD vor, in ihrem Antrag eine Ausbildungsgarantie zu versprechen, ohne zu sagen, wie diese umgesetzt werden solle. "Sie wecken Erwartungen, haben aber keinen Plan", konstatierte die jugend- und ausbildungspolitische Sprecherin der Grünen. Ihre Fraktionskollegin, die Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer, forderte eine Reform des "ineffizienten und teuren Übergangssystems". Reiner Spiering (SPD) hingegen verteidigte solche Bildungsangebote zur Förderung der Ausbildungsreife: "Wir brauchen das Übergangssystem, es ist ein wichtiger Puffer."

lbert Rupprecht (CSU) sprach sich angesichts kontinuierlich steigender Studierenden- und sinkender Auszubildendenzahlen dafür aus, die berufliche Bildung zu stärken. "Sonst habe ich die Sorge, dass wir den Ast absägen, auf dem wir sitzen." Lena Strothmann (CDU) warnte zudem an die Adresse der Europäische Union gewandt davor, den Meisterbrief im Handwerk abzuschaffen. "Wer das tut, legt die Axt an ein funktionierendes System."

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), kündigte an, sich für bessere Chancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf dem Arbeitsmarkt einsetzen zu wollen. Gerade angesichts des Fachkräftemangels dürften die Potenziale von Migranten nicht brachliegen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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