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Götz Hausding
Die Rentenexpertin: Sabine Zimmermann

Nicht alles, was von der Regierung kommt, muss die Opposition schlecht finden. Etwa bei der Rente. "Die Mütterrente geht im Kern schon in die richtige Richtung", sagt denn auch Sabine Zimmermann, Arbeitsmarkt- und Rentenexpertin der Linksfraktion. Und auch die Anerkennung der Zeiten von Arbeitslosigkeit bei der Rente mit 63 wird von ihr begrüßt. "Es ist richtig, dass diejenigen, die lange und hart gearbeitet haben, nicht mehr durch Rentenabschläge enteignet werden", findet sie. Die Kritik von Teilen der Union und den Arbeitgebern, dies sei ein überzogenes Rentengeschenk, sei daher auch "unwürdig". Doch Sabine Zimmermann wäre nicht Oppositionsabgeordnete, hätte sie nicht zugleich massive Kritik anzumelden. "Es ist bitter, dass bei der Rente ab 63 nur kurzzeitige Phasen der Erwerbslosigkeit und des Arbeitslosengeldbezugs berücksichtigt werden", bemängelt sie. Langzeiterwerbslose oder Hartz-IV-Bezieher würden so "wieder einmal benachteiligt".

Und was die im Grunde von ihr unterstützte Mütterrente angeht, so sieht die 53-Jährige, die einst selbst SPD-Mitglied war, die Vorlage aus dem sozialdemokratisch geführten Arbeits- und Sozialministerium als nicht zielführend an. Man bediene sich dabei in der falschen Kasse. "Ebenso wie die Sozialpartner und auch so ziemlich alle Sachverständigen in der Anhörung zum Rentenpaket kritisieren wir die sachfremde Finanzierung durch Rentenbeitragsgelder", macht sie deutlich und fordert eine Finanzierung als "familienpolitische Leistung aus Steuern". Doch das ist nicht alles: "Die Mütterrente führt eben nicht zur eigentlich gebotenen Gleichstellung", sagt Sabine Zimmermann. Noch immer werde die Erziehung von Kindern in Ost und West unterschiedlich bewertet. Außerdem würden Mütter und Väter für vor 1992 geborene Kinder noch immer einen Entgeltpunkt weniger bekommen, als bei nach 1992 geborenen Kindern. Ein Unding, findet sie. "Was das mit Gerechtigkeit zu tun hat, erklären sie mal bitte Eltern in Zwickau."

Zwickau, dass ist der Wahlkreis von Sabine Zimmermann. Das ist auch der Ort, in dem sie schon vor der Wende lebte und als Baustofftechnologin "in einem Männerberuf" gearbeitet hat. "Eigentlich wollte ich Journalistin werden, habe aber in der DDR keinen Studienplatz bekommen, weil ich zu viel Westverwandtschaft hatte", erzählt sie. Als sie dann 1990 wegen der "Familienzusammenführung" nach Bayern kam, "wollte mich in dem Job keiner haben". Besonders geärgert hat sie sich seinerzeit über die Begründung für ihre Ablehnung. "Frauen in dieser Position - das gibt's bei uns nicht", habe man ihr damals unverblümt gesagt.

Für Sabine Zimmermann war dies der Anstoß, sich für Chancengleichheit von Frauen beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) politisch einzusetzen. "1992 fing ich beim DGB Sachsen an und war bis 1997 als Gewerkschaftssekretärin, Jugendbildungsreferentin, Landesjugendsekretärin und ab 1997 als gewählte Kreis- und Regionsvorsitzende der Region Vogtland - Zwickau, später Südwestsachsen, tätig", sagt sie. Seit diesem Jahr ist sie zudem Arbeitsmarktreferentin für den DGB Sachsen. Als Gewerkschafterin fand sie einst ihren Platz in der SPD. Zehn Jahre war sie Mitglied in der Partei. 2004 rutschte sie gar als Nachrückerin für die SPD in den sächsischen Landtag. Doch dann war Schluss. "Aufgrund der unsozialen Hartz-Gesetzgebung bin ich ausgetreten, war zwei Jahre parteilos und bin mit der Gründung 2007 in Die Linke eingetreten", erzählt sie.

2014 ist sie nun die Arbeitsmarkt- und Rentenexpertin der größten Oppositionsfraktion und hat auch eine Vorstellung davon, wie es gelingen könnte, "die gesetzliche Rente wieder fit zu machen". Die Abschaffung der Rente mit 67 sowie der Abschläge auf Erwerbsminderungsrenten seien einige der Voraussetzungen dafür. Das was jetzt auf dem Tisch liege, reiche in jedem Falle nicht aus. "Die zentralen Probleme der Rentenversicherung sind mit dem Rentenpaket der Regierung bei Weitem nicht gelöst", ist sie sich sicher. .

Aus Politik und Zeitgeschichte

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