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Susanne Kailitz
Selbst ist die Frau

RENTNER VON MORGEN Eine Angestellte sucht Alternativen

Wenn Henriette Gabler* in diesen Tagen Nachrichten schaut, wird sie schon mal sauer. Vor allem, wenn es ums Rentenpaket geht. "Ich gönne es jedem Menschen, dass es ihm im Alter gut geht. Aber warum ich dafür zahlen muss, während ich weiß, dass ich aus der gesetzlichen Rentenversicherung nicht viel zu erwarten habe, finde ich absolut ungerecht."

Seit vier Jahren arbeitet die 49-jährige Leipzigerin als angestellte Hauswirtschafterin bei einer Reinigungsfirma. Demnächst will sie sich selbständig machen. "Meine Kunden wollen dann mit mir mitgehen. Und die Hauswirtschaftshilfe ist hier so gefragt, da kann ich mehr Geld verdienen, wenn ich auf eigene Rechnung arbeite." Früher hat Gabler als Erzieherin für behinderte Kinder gearbeitet, stieg aber aus dem Beruf aus, "als ich nicht mehr so arbeiten durfte, wie ich es gewollt hätte. Da war mir die Frage der Absicherung egal. Aber es ist natürlich gut zu wissen, dass ich dahin zurück könnte, weil in dem Bereich Personal gesucht wird." Als Selbständige kann sich Gabler aussuchen, ob sie in der gesetzlichen Rentenversicherung bleibt. Schwer fallen wird ihr diese Entscheidung nicht: "Wenn ich einmal im Jahr den Brief bekomme, in dem drin steht, wie hoch meine gesetzliche Rente vermutlich sein wird, könnte ich heulen. Und ich sehe es nicht ein, mit meinen Beiträgen nur dafür zu sorgen, dass es heutigen Rentnern gut geht, ohne dass ich eine Chance habe, es mal ähnlich komfortabel zu haben."

Dabei wird die zweifache Mutter beim Rentenpaket von der Mütterrente profitieren. Darauf angesprochen, lacht Gabler. "Für meine zwei Jungs bekomme ich dann im Monat etwa 50 Euro mehr - dafür, dass es dann für alle teuer wird. Das ergibt doch keinen Sinn." Gabler hat sich innerlich aus der gesetzlichen Rentenversicherung verabschiedet. Für später sucht sie noch nach einer Möglichkeit, privat vorzusorgen. "Aber auch da will ich nur das Nötigste machen. Ich finde es wichtiger, mir jetzt ein gutes Polster zu schaffen, mit dem ich dann vielleicht ein Haus kaufen kann. Das ist immer noch die beste Altersvorsorge."

(*Name von der Redaktion geändert)

Aus Politik und Zeitgeschichte

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