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Susanne Kailitz
Überfällige Anerkennung

MÜTTERRENTE Eine künftige Rentnerin freut sich

In ein paar Monaten wird Anna Maria Mette Rentnerin. Aber das, was ihr die gesetzliche Rentenversicherung dann monatlich überweisen wird, ist sehr, sehr wenig: Rund 250 Euro erwartet sie, dazu die Mütterrente für zwei Kinder.

Dass das zum Leben im Alter nicht reichen wird, weiß Mette schon lange. Ganz bewusst hat sich die heute 65-Jährige entschieden, nach der Hochzeit erst in Teilzeit zu arbeiten und nach der Geburt ihrer Tochter 1974 ganz aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. "Das war gesellschaftlich damals so vorgesehen." Und sei auch ziemlich alternativlos gewesen: "Betreuungsmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren gab es nicht, Kindergartenplätze waren rar. Und Betreuung über Mittag in der Schule war gar nicht denkbar. So konnte man als Mutter eigentlich gar nicht erwerbstätig sein."

Mette sagt, sie habe das klassische westdeutsche Familienmodell gelebt - und würde sich heute "auf keinen Fall" mehr so entscheiden: Viel zu groß sei die Abhängigkeit der Frauen von einem Ehemann gewesen, der sie versorgte. Und nicht immer sei das Einkommen der Männer so hoch gewesen, dass man davon gut leben konnte.

Doch auch wenn die gesellschaftlichen Ansichten sich seither gründlich verändert hätten: "Es geht nicht an, dass Mütter, die ihre Kinder nach 1992 bekommen haben, besser gestellt sind als die, die davor welche zur Welt gebracht haben". Mette ist deshalb klar für die Mütterrente. Die sei nicht nur Anerkennung für das, was Mütter ohne Kitas und verlässliche Nachmittagsbetreuung in Schulen geleistet hätten, sondern gebe vielen auch ein kleines Stück Selbstbestimmung zurück: "Manche Frauen haben drei oder vier Kinder geboren, ihre Ehen haben aber nicht gehalten. Und wenn die zusätzlich zu ihrer kleinen Rente 100 oder 150 Euro bekommen, macht das für ihren Lebensstandard schon einiges aus."

Und es geht Mette, die sich erst in Kindergarten und Schule und schließlich für die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands, deren stellvertretende Vorsitzende sie heute ist, engagiert hat, um eine Klarstellung: Nichts ärgere sie mehr, als wenn Frauen nach einer Babypause gefragt würden, "ob sie denn jetzt wieder arbeiten würden. Jeder, der es mal gemacht hat, weiß, dass es Arbeit ist, sich daheim um Kinder zu kümmern. Sie wird nur nicht bezahlt."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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