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Susanne Kailitz
Die Chance zur Teilhabe

Rehabilitation Ein Lehrer muss den Beruf nicht aufgeben

Als er die Diagnose bekam, hatte Thomas Rübner* nur einen Wunsch: "Ich wollte unbedingt weiter arbeiten. Alles sollte so normal wie möglich bleiben." Der Lehrer aus Baden-Württemberg wollte die Krankheit auf keinen Fall über sein Leben herrschen lassen. Diese Einstellung hat er bis heute.

1987 stellten die Ärzte bei ihm einen seltenen Tumor fest, der aus hormonbildenden Zellen entsteht und häufig lange unentdeckt bleibt. Damals war Rübner gerade 33, mitten in der Familiengründung und voller Ideen in den Beruf gestartet. Nach einer kurzen Behandlung habe er geglaubt, geheilt zu sein, erzählt er heute, "aber sieben Jahre später kam der Krebs zurück und ich brauchte eine zweite, große Operation." Seither lebt er mit nur einem Lungenflügel und ist längt nicht mehr so belastbar wie gesunde Menschen. Trotzdem konnte er sich nie vorstellen, den Beruf aufzugeben - ein Weg, den viele Patienten mit ähnlicher Diagnose schweren Herzens gehen.

Drei Monate war Rübner nach der Operation krank geschrieben, kam dank Anschlussheilbehandlung und Kur wieder auf die Beine. Bis heute steht er Tag für Tag vor seinen Schülern - mit reduzierter Stundenzahl.

Genau für diese Fälle sind die so genannten Reha-Maßnahmen gedacht: um Versicherte, deren Erwerbsfähigkeit aus gesundheitlichen Gründen gefährdet oder beeinträchtigt ist, im Arbeitsleben zu halten. Dass im Rahmen der Rentenreform nun das Reha-Budget der gesetzlichen Rentenversicherung erhöht wird, schlägt sich nicht in mehr Geld für den einzelnen Patienten nieder. Vielmehr soll das die hohen Kosten abdecken, die entstehen, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in das so genannte reha-intensive Alter kommt.

Dann könnte vielleicht auch das eintreten, was Thomas Rübner, der inzwischen zu 100 Prozent schwerbehindert ist, vermisst hat, als er die Reha-Leistungen in Anspruch genommen hat: eine größere Selbstverständlichkeit im Umgang mit der Tatsache, dass Menschen zum Gesundwerden Unterstützung brauchen. "Man fühlt sich da schon oft allein gelassen. Keiner informiert einen wirklich und auch wenn man einen gesetzlichen Anspruch auf Leistungen hat, muss man den immer sehr deutlich einfordern", sagt Rübner.

(*Name von der Redaktion geändert)

Aus Politik und Zeitgeschichte

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