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ORTSTERMIN: 15. BERLINER BUNDESTAGSLAUF
Tobias Kantenwein
Klatschnass über die Ziellinie

Auch 100 Prozent Regenwahrscheinlichkeit konnte viele nicht abschrecken, nur wenige Läufer hatten ihre Teilnahme storniert. Auf matschigem Boden, bei Dauerregen und kühlen Temperaturen wirkten die knapp 500 Teilnehmer beim 15. Bundestagslauf vergangene Woche alles andere als niedergeschlagen. Damit bestätigten die Sportler die Einschätzung von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), das sei "eine schöne Gelegenheit, gerade bei einem Bundestagslauf zu demonstrieren: Wir sind keine Schönwetterdemokratie, sondern wir sind für alle Herausforderungen gewappnet".

Um 12.47 Uhr eröffnete Lammert südwestlich des Reichstagsgebäudes den diesjährigen Bundestagslauf durch den Berliner Tiergarten. Der Lauf wird jedes Jahr von der Sportgemeinschaft im Deutschen Bundestag ausgerichtet. "Mindestens stellt das Wetter ja sicher, dass niemand mit Hitzschlägen als zusätzlicher Behinderung rechnen muss", fügte Lammert im Scherz hinzu. Das Plenargeschehen im wenige Meter entfernten Reichstag hinderte ihn und andere Abgeordnete aber daran, sich selbst am Lauf zu beteiligen. Namentliche Abstimmungen zum Bundeshaushalt und zu Mandatsverlängerungen der Bundeswehr standen zeitgleich auf der Tagesordnung. Der Bundestagspräsident verband sein Bedauern darüber, selbst nicht mitlaufen zu können "mit allen guten Wünschen an diejenigen, die deswegen noch bessere Siegeschancen haben, als das der Fall wäre, wenn ich wieder mitlaufen würde".

Die sportpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Michaela Engelmeier, war ebenso zum Startschuss gekommen wie Eberhard Gienger (CDU), der Vorsitzende der Sportgemeinschaft im Deutschen Bundestag. Gienger zollte den Läufern für ihre Anstregungen Respekt. Als Turner komme er ja von einer Sportart, die konditionell nicht so herausfordernd sei und bei der die längste Belastung 70 Sekunden dauere. Für ihn sei deshalb "alles, was über den Anlauf zum Weitsprung hinausgeht, eine Langstrecke".

Insgesamt 7.200 und 3.600 Meter hatten die Läufer sowie eine kleine Gruppe von Nordic Walkern zu überwinden. Wegen der Fanmeile anlässlich der Fußballweltmeisterschaft wich der Streckenverlauf vom gewohnten Muster ab und startete diesmal nicht unmittelbar am Brandenburger Tor.

Das feuchte Wetter biete doch ideale Trainingsbedingungen für die Vorbereitung auf den London-Marathon, feuerte ein gut gelaunter Moderator die Läufer an. Beim Hüpfen von Pfütze zu Pfütze mögen sie doch bitte auf die Markierungen auf dem Boden achten. Schon eine knappe Viertelstunde nach Startschuss "tropften" denn auch die ersten Läufer der Kurzstrecke wieder ins Ziel.

Die Mitarbeiter der IT-Abteilung des Bundestages hatten ihre Leidenschaft für das Laufen kurzerhand mit einem Mantra ihrer Berufsgruppe verknüpft. "Never touch a running system" zierte dann auch einige T-Shirts, die eigens für den Lauf gedruckt worden waren.

Das Lauffeld setzte sich aus Mitarbeitern von Abgeordneten, von Fraktionen, aus Ministerien und aus Botschaften zusammen. Und als hätte es noch eines Beweises für die Prognose des Bundestagspräsidenten bedurft, das Wetter werde dem Erfolg der Veranstaltung "nur unwesentlich im Wege stehen", liefen die klatschnassen, aber bestens gelaunten Läuferinnen und Läufer der französischen Botschaft nebeneinander dann Hand in Hand über die Ziellinie.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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