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ORTSTERMIN: PLAKAT ERINNERT AN ENTFÜHRTE MÄDCHEN
Julian Burgert
Ein Zeichen gegen Hass und Intoleranz

Das Plakat ist relativ schlicht gehalten. Es ist knapp drei Meter lang, einen halben Meter hoch und besteht aus weißer Lkw-Plane. In großen roten Buchstaben steht darauf: "Bring Back Our Girls" - "Bringt unsere Mädchen zurück".

Seit vergangener Woche hängt es im fünften Stock des Jakob-Kaiser-Hauses des Bundestages, direkt vor dem Büro von Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU). Dieser hat es dort auch anbringen lassen, denn er will "ein Zeichen setzen". Ein Zeichen gegen Hass und Intoleranz, für Religionsfreiheit und das Recht auf Bildung.

Wer in den vergangenen Wochen die Nachrichten verfolgt hat, dem dürfte der Slogan des Plakates bekannt vorkommen. Es ist der Slogan, unter dem weltweit auf das Schicksal von rund 300 Schulmädchen aufmerksam gemacht wird, die im April im Nordosten von Nigeria von der radikal-islamischen Terrorgruppe Boko Haram entführt worden sind. Einigen Mädchen soll zwar die Flucht gelungen sein, der Großteil befindet sich jedoch noch immer in der Gewalt ihrer Entführer.

"Das Plakat hat Geschichte", sagt Singhammer. Im Juni war der Bundestagsvizepräsident auf Delegationsreise in Afrika. Zusammen mit den Abgeordneten Petra Ernstberger (SPD) und Michael Hennrich (CDU) besuchte er Kamerun, Togo und Nigeria. Neben Konsultationen mit hochrangigen Regierungsvertretern, Parlamentariern und religiösen Würdenträgern, trafen sie sich in der nigerianischen Hauptstadt Abuja auch mit den Müttern der entführten Mädchen und demonstrierten zusammen für die Freilassung und sichere Heimkehr der Kinder. "Die Mütter der Mädchen haben uns das Plakat mitgegeben", erklärt Singhammer, "mit der Bitte und dem Auftrag, dafür zu werben, dass diese unerträgliche Situation bald endet. Sie hoffen auf die internationale Öffentlichkeit."

Für Michael Hennrich ist das Aufhängen des Plakats ein starkes Zeichen gegen Terrorismus und für die Solidarität mit den Eltern. "Das Thema trifft uns auch in Europa", sagt er. Seiner Kollegin Ernstberger imponiert der Mut der Frauen. Diese ließen sich nicht einschüchtern und forderten, dass Mädchen weiterhin zur Schule gehen sollen. Singhammer stimmt Ernstberger zu: "Die Mütter gehen dort auf die Straße um zu demonstrieren. Das erfordert mehr Mut als die Demonstrationen bei uns vor dem Brandenburger Tor."

Der Konflikt in Nigeria ist für Singhammer "kein Religionskonflikt, sondern ein Terrorkonflikt". Die Gründe dafür lägen nicht in religiösen Streitigkeiten, sondern in Armut, Perspektivlosigkeit und wirtschaftlichen Konflikten innerhalb der dortigen Gesellschaft.

Dem Schicksal der Mädchen und dem Terrorismus von Boko Haram war vor einiger Zeit auch eine Aktuelle Stunde im Bundestag gewidmet. Dabei ist das deutsche Parlament nicht die einzige Institution, die sich für die Mädchen einsetzt. Weltweit hatten Politiker und Prominente deren Freilassung gefordert.

Das Plakat wird laut Singhammer auf unbestimmte Zeit an der Wand hängen bleiben. Bis die Mädchen wieder frei kommen, hoffentlich.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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