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Jörg Biallas
Angelesen

Die Erfahrung lehrt: Wenn Journalisten Bücher schreiben, korrespondiert die dabei erreichte literarische Qualität nicht zwangsläufig mit den ausgewiesenen Fähigkeiten der angestammten Profession. Auf den ersten, flüchtigen Leseeindruck ist das auch bei Alfred Hackensbergers Werk "Letzte Tage in Beirut" so, das selbstbewusst als Thriller firmiert. Der Autor, Nordafrika-Korrespondent deutschsprachiger Medien, setzt aus einzelnen schemenhaften Sequenzen nur mühsam eine nachvollziehbare Collage zusammen. Das Taschenbuch ist zudem gewöhnungsbedürftig zu lesen, auch, weil Hackensberger stilistisch darauf verzichtet, direkte Rede als solche kenntlich zu machen.

Dass sich nach der Lektüre dann doch ein Gefühl des Erkenntnisgewinns einstellt, ist vor allem dem verhandelten Thema geschuldet. Es geht um das im Frühjahr 2005 in Beirut tatsächlich verübte tödliche Bombenattentat auf Libanons einstigen Premierminister Rafik Hariri. Dabei kommen mehr als 20 Menschen ums Leben, im Buch auch die Frau des deutschen Korrespondenten Klaus Steinbacher.

Hackensberger beschreibt, wie der Ehemann versucht, sein Trauma zu verarbeiten. Dabei wird über die Hintergründe und Verursacher des Selbstmordanschlages, der umgehend nach der Tat mit Syrien in Verbindung gebracht wird, spekuliert. Könnten aber nicht auch Israel oder westliche Staaten dahinterstecken? Geschildert werden Auftragsmorde, atemstockende Gleichgültigkeit beim Töten, die Rolle des Drogenkonsums, skrupellose Intrigen.

Hackensberger mischt wahre Begebenheiten und teils gewagte Thesen kühn, mitunter wild durcheinander. Gelegentlich hat der geneigte Leser Mühe, sich zurechtzufinden und der Handlung stringent zu folgen. Zu guter Letzt bleibt die Botschaft, dass es im Nahen Osten keine einfachen Wahrheiten gibt. Die Region ist im Sinne des Wortes ein Pulverfass. Damals wie heute. Jörg Biallas z

Alfred Hackensberger: Letzte Tage in Beirut. Thriller

Edition Nautilus, Hamburg 2014; 160 S., 12,90 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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