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Claudia Heine/Helmut Stoltenberg
Kurz notiert

23.8.1989 Die bundesdeutsche Botschaft in Prag wird wegen Überfüllung geschlossen. Hunderte weiterer Flüchtlinge klettern über den Zaun in den Garten der Botschaft.

24.8.1989 Mit Hilfe des Internationalen Roten Kreuzes werden mehr als 100 DDR-Bürger aus der Budapester Botschaft in die Bundesrepublik ausgeflogen.

In Polen wird "Solidarnosc"-Mitbegründer Tadeusz Mazowiecki zum ersten nichtkommunistischen Ministerpräsidenten gewählt.

26.8.1989 Eine Initiativgruppe "Sozialdemokratische Partei in der DDR"(SDP) präsentiert einen Aufruf zur Parteigründung.

4.9.1989 Nach dem Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche demonstrieren etwa 1.200 Menschen.

8.9.1989 Aufgrund von Zusicherungen von DDR-Rechtsanwalt Wolfgang Vogel verlassen alle DDR-Bürger die Ständige Vertretung in Ost-Berlin.

9./10.9.1989 30 Mitglieder der unabhängigen DDR-Friedensbewegung, darunter Bärbel Bohley (Bild), unterzeichnen den Gründungsaufruf des "Neuen Forum".

10.9.1989 Ungarn öffnet in der Nacht zum 11.9. die Grenze zu Österreich für DDR-Bürger.

12.9.1989 Die Bewegung "Demokratie jetzt" tritt mit dem "Aufruf zur Einmischung in eigener Sache" hervor.

14.9.1989 Die Gruppe "Demokratischer Aufbruch" tritt mit einem "Flugblatt für die Demokratie" an die Öffentlichkeit.

18.9.1989 In Leipzig gehen Hunderte von Demonstranten nach dem Friedensgebet in der Nikolaikirche auf die Straße mit dem Ruf "Wir bleiben hier!" und nicht mehr, wie zuvor: "Wir wollen raus!" Viele Festnahmen.

24.9.1989 Die Bonner Botschaft in Prag wird Sammelpunkt für DDR-Flüchtlinge, weil die CSSR die Kontrollen an der Grenze zu Ungarn verschärft.

25.9.1989 Auf der Leipziger Montagsdemonstration fordern 5.000 bis 8.000 Menschen die Zulassung des Neuen Forums.

30.9.1989 Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) verkündet in Prag die Ausreiseerlaubnis für die Botschaftsbesetzer.

2.10.1989 Bis zu 20.000 Menschen nehmen an der Montagsdemonstration in Leipzig teil. Die Volkspolizei greift ein; es gibt Verletzte. Erstmals, so erinnerte sich später ein Teilnehmer, wurde dort "Wir sind das Volk" gerufen.

3.10.1989 Die DDR-Regierung lässt die rund 11.000 Flüchtlinge, die sich seit dem 30.9. erneut in und um die Bonner Botschaft in Prag versammelt haben, in den Westen ausreisen. Zugleich schließt die DDR faktisch ihre Grenzen, indem sie den visafreien Reiseverkehr in die CSSR "aussetzt".

4.10.1989 Bei der erneuten Massenausreise von Botschaftsbesetzern aus Prag in Sonderzügen über DDR-Gebiet kommt es in Dresden zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten, die auf die Züge aufspringen wollen.

6./7.10.1989 Staatsfeier zum 40. Jahrestag der DDR in Anwesenheit Michail Gorbatschows, der in einem spontanen Interview sagt: "Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren." Sein Pressesprecher Gerassimow macht daraus später: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben."

In Schwante gründen 43 Personen eine Sozialdemokratische Partei in der DDR (SDP).

9.10.1989 "Tag der Entscheidung" in Leipzig, wo rund 70.000 Menschen für Reformen demonstrieren. Die befürchteten gewaltsamen Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften bleiben aus.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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