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Claudia Heine/Helmut Stoltenberg
Kurz notiert

28.1.1990 Modrow und die am "Runden Tisch" vertretenen Parteien und Gruppierungen vereinbaren die Bildung einer gemeinsamen "Regierung der nationalen Verantwortung" sowie die Vorverlegung der Volkskammerwahl auf den 18. März 1990.

5.2.1990 Die Vorsitzenden der DDR-Parteien CDU, DSU und Demokratischer Aufbruch (Bild) ver-einbaren in Anwesenheit Kohls, in einem gemeinsamen Wahlbündnis "Allianz für Deutschland" zur Volkskammerwahl anzutreten. Kohls bun-desdeutsche CDU sagt volle Unterstützung zu.

7.2.1990 Das Bundeskabinett beschließt, der DDR sofortige Verhandlungen über eine Wirtschafts- und Währungsunion anzubieten. Die steigenden Übersiedlerzahlen und die desolate wirtschaftliche Lage der DDR machten das erforderlich.

Die Bürgerbewegungen "Neues Forum", "Demokratie Jetzt" und "Initiative für Frieden und Menschenrechte" schließen sich für die Volkskammerwahl zum "Bündnis 90" zusammen.

10./11.2.1990 Kohl erhält in Moskau die prinzipielle Zustimmung Gorbatschows zur deutschen Einheit; die Frage der Bündniszugehörigkeit eines vereinten Deutschlands bleibt ausgeklammert.

12.2.1990 Die DDR-Parteien LDP, FDP und Deutsche Forumpartei schließen sich zum Wahlbündnis "Bund Freier Demokraten" (BFD) zusammen, dem die bundesdeutsche FDP Unterstützung zusagt.

13.2.1990 Die vier Siegermächte und die beiden deutschen Staaten vereinbaren die "Zwei-plus-Vier-Verhandlungen", um "die äußeren Aspekte der Herstellung der deutschen Einheit" zu besprechen.

13./14.2.1990 Arbeitsbesuch Modrows in Bonn: Gebildet wird eine gemeinsame Kommission zur Vorbereitung einer Währungsunion und Wirtschaftsgemeinschaft zwischen beiden Staaten (Bild). Die DDR-Delegation ist verstimmt wegen der Ablehnung einer Soforthilfe von 10 bis 15 Milliarden D-Mark durch die Bundesrepublik.

20.2.1990 Modrow erklärt in der Volkskammer, das Treffen mit Kohl habe gezeigt, "dass die Lösung der deutschen Frage auf die Tagesordnung gerückt ist".

14.3.1990 Der Vorsitzende des Demokratischen Aufbruchs (DA), Wolfgang Schnur, wird als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi enttarnt. Nach der Volkskammerwahl wird bekannt, dass auch der Vorsitzende der DDR-SPD, Ibrahim Böhme, Stasi-IM war.

18.3.1990 Aus der ersten freien Volkskammerwahl geht die konservative "Allianz für Deutschland", die nur knapp die absolute Mehrheit verfehlt, als Sieger hervor. Die meisten Stimmen erhält die CDU mit 40,8 Prozent, gefolgt von der SPD mit 21,9 Prozent und der PDS mit 16,4 Prozent. Die im Bündnis 90 zusammengeschlossenen Bürgerbewegungen erhalten lediglich 2,9 Prozent der Stimmen.

Mitte April wählt die neue Volkskammer den Vorsitzenden der DDR-CDU, Lothar de Maizière, zum Ministerpräsidenten und bestätigt seine große Koalition mit DSU und DA sowie SPD und Liberalen. Zur Jahresmitte wird die D-Mark mit Inkrafttreten der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion alleiniges Zahlungsmittel in der DDR (Bild).

Mitte Juli verständigen sich Kohl und Gorbatschow bei einem Treffen im Kaukasus darauf, dass das geeinte Deutschland der Nato angehören kann. Am 23. August beschließt die Volkskammer "den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik". Nach Unterzeichnung des "Zwei-plus-Vier"-Vertrages und der Zustimmung von Bundestag und Volkskammer zum Einigungsvertrag im September kommt es am 3. Oktober zu deutschen Einheit.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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