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Susanne Kailitz
Bunte, multikulturelle Reformuniversität

Bildung Viadrina schickt Studenten regelmäßig ins Ausland. Ein Doppel-Abschluss ist möglich

Sie bezeichnet sich selbst als "multikulturelle Versuchung": die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Knapp 6.500 junge Menschen studieren hier, jeder Vierte von ihnen kommt aus dem Ausland. Mehr als 80 Nationalitäten kommen hier in Vorlesungen und Seminaren zusammen. So viel Internationalität ist selten - und deshalb ist die Uni auch stolz auf ihre bunte Studentenschaft.

Die Viadrina knüpft an eine lange Tradition an, die allerdings länger unterbrochen war. Sie sieht sich nicht nur namentlich in der Tradition der ersten brandenburgischen Landesuniversität Alma Mater Viadrina. Viadrina heißt auf lateinisch "die an der Oder gelegene". Die Universität wurde 1506 gegründet und 1811 geschlossen. Bei der Neugründung der Viadrina 1991 aber zählte weniger der Blick in eine glänzende Vergangenheit, sondern der nach vorn: als Reforumuniversität mit beispielloser Internationalität sollte sie zur Entwicklung der Region auf beiden Seiten der Oder beitragen, Schwerpunkte in der Osteuropaforschung setzen und insgesamt ein Leuchtturm der europäischen Integration werden. Eine Volluni ist sie nicht: In Frankfurt gibt es nur eine kulturwissenschaftliche, eine juristische und eine wirtschaftswissenschaftliche Fakultät. Mittendrin: mit dem Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften auch ein Angebot für Komplementärmedizin. Das hat der Uni den inoffiziellen Titel "Hogawarts an der Elbe" eingebracht - und Kritik der brandenburgischen Hochschulstrukturkommission. Bislang aber hält man daran fest.

Vieles von dem, was der Viadrina bei ihrer Neugründung ins Stammbuch geschrieben wurde, ist gelungen. Sie genießt sowohl unter Wissenschaftlern wie Studenten einen hervorragenden Ruf. Erstere freuen sich über die Möglichkeit, nur eine Fahrtstunde von Berlin entfernt, an einer Hochschule mit besonderem Profil unter vielen Kollegen und Studenten aus aller Welt forschen zu können, letztere genießen die Vorteile einer kleinen Universität, in der die Betreuungsquoten gut sind und das Verhältnis zwischen Studierenden und Lehrerenden eng.

Fremde Kulturen

Für ihre Studenten hält die Viadrina Schmankerl bereit, die andere Hochschulen nicht zu bieten haben: Das sind etwa 20 internationale Mehrfachabschlüsse auf Bachelor- und Masterniveau. In gemeinsamen Programmen mit Partneruniversitäten auf der ganzen Welt absolvieren die Studenten dann einen Teil der Studienzeit in Frankfurt an der Oder und einen Teil im Ausland und erhalten dann schließlich Abschlüsse beider Universitäten. Ohne die Bereitschaft, fremde Kulturen kennenzulernen, geht es dabei nicht: In den allermeisten Studiengängen sind Auslandsaufenthalte und das Erlernen von bis zu zwei Fremdsprachen Pflicht - so will die Uni sicherstellen, dass Internationalität nicht nur ein Markenzeichen ist, das in allen Werbematerialien der Einrichtung auftaucht, sondern auch gelebt wird.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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