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REBOUND-EFFEKT
Jenny Eschment
Irritierendes Phänomen

Kaum Einsparung trotz mehr Effizienz

Da schafft man sich für die ganze Wohnung Energiesparlampen an, um bei der Abrechnung am Ende feststellen zu müssen, dass man viel weniger Energie eingespart hat als erhofft. Paradox? Nur scheinbar. Die Lampen wurden dann nämlich nicht nur öfter genutzt, sondern blieben auch länger eingeschaltet – ein typisches Beispiel für einen „Rebound-Effekt“. Er beschreibt das Phänomen, dass Steigerungen der Energieeffizienz zu weniger oder sogar gar nicht zur erwarteten Energieeinsparung führen, weil dasselbe Gut mehr genutzt oder ein Neues anders produziert wird oder aber die Einspargewinne teilweise gesamtwirtschaftlich wieder aufgezehrt werden.

Bereits 1865 hatte der englische Ökonom Stanley Jevons festgestellt, dass die Einführung der dreimal effizienteren Dampfmaschine von James Watt nicht einen sinkenden, sondern rasant steigenden Kohleverbrauch zur Folge hatte. In den vergangenen Jahren fand das Phänomen in umweltökonomischen Diskussionen und zunehmend auch politischen Debatten Beachtung. So beschäftigten sich die Internet-Enquête und vor allem die Enquête-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ mit Rebound-Effekten und bescheinigten ihnen, „viel relevanter zu sein als bisher in der Umweltdebatte angenommen“ (17/13300).

Obwohl etwa in Deutschland der Verbrauch von Heizenergie zwischen 1995 und 2005 durch effizientere Heizungen und Gebäudedämmung um neun Prozent pro Quadratmeter Wohnfläche verringert wurde, wuchs der gesamte Heizenergieverbrauch um 2,8 Prozent, weil sich gleichzeitig die genutzte Wohnfläche um 13 Prozent vergrößerte. Und obwohl die Motortechnologie in den vergangenen 60 Jahren viel effizienter geworden ist, verbraucht ein VW Beetle von 2005 mit 7,1 Liter auf 100 Kilometer (mit heute75 PS und 1.200 Kilo Gewicht) fast so viel wie ein VW Käfer von 1955 mit 7,5 Liter (mit noch 30 PS und nur 730 Kilo).

Auch wenn das genaue Ausmaß von Rebound-Effekten noch Gegenstand aktueller Forschung ist (bisher wird von zirka 50 Prozent gesamtwirtschaftlichen Rebounds im Mittel ausgegangen), sollte eine effektive Energie- und Klimapolitik sie bereits berücksichtigen. So wirken etwa handelbare Emissionsbudgetsa automatisch gegen Rebound-Entwicklungen. Jenny Eschment

Aus Politik und Zeitgeschichte

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