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Ortstermin: Ausstellung »operation Heimkehr«
Sören Christian Reimer
Zurück aus dem Kriegsgebiet


„Meine damalige Frau und mein Sohn wollen heute nichts mehr mit mir zu tun haben.“ Der Satz stammt aus dem Bericht eines Stabsunteroffizieres, der im Kosovo und in Afghanistan diente. Nach der Rückkehr aus dem Einsatz war seine Welt eine andere. Im Alltag fing er an, gewalttätig zu werden – gegenüber Fremden, aber auch gegenüber seiner Familie. Bei dem Soldaten wurde eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert.

Der Fall des Stabsunteroffizieres ist einer von vielen, die in der Ausstellung „Operation Heimkehr“ präsentiert werden. Die Macherinnen, die Journalistin Ulrike Scheffer und die Fotokünstlerin Sabine Würich, haben für die Ausstellung und ein gleichnamiges Buch insgesamt 74 Soldaten und Soldatinnen porträtiert – in Bild und Wort. Im Paul-Löbe-Haus des Bundestags ist davon eine Auswahl in schlichten, weißen Kästen zu sehen. Den in Schwarz-Weiß gehaltenen Fotografien wird eine Kurzbiographie und ein Ausschnitt aus dem Interview beigestellt. So individuell wie die Gesichter der Porträtierten sind auch ihre Geschichten. Einige der Soldaten berichten von schlimmsten Erfahrungen: Die eigene Verwundung und deren Folgen, der Verlust von Kameraden, die Sinnsuche nach der Rückkehr. Andere Beiträge konzentrieren sich weniger auf direkte psychische und physische Folgen, sondern stellen die Frage nach der Anerkennung des Soldatentums in Deutschland.

Da die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist, trage der Deutsche Bundestag eine „besondere Verantwortung“ für die Soldaten – auch nach ihrem Einsatz im Ausland, sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) bei der Eröffnung. Die Ausstellung, die sich Lammert persönlich von Scheffer und Würich zeigen ließ, sei sehr bedeutsam. „Sie macht aufmerksam auf die Wirkungen, die Einsätze der Bundeswehr auf Soldaten haben“, hob Lammert hervor. Es sei wichtig, dafür ein öffentliches Bewusstsein zu schaffen: „Viele Soldaten und Soldatinnen empfinden, dass es niemanden interessiert, wie ihre ‚Operation Heimkehr‘ abläuft.“

Hans-Peter Bartels (SPD), Vorsitzender des Verteidigungsausschusses, sagte, dass die Auswirkungen der Einsätze bislang zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hätten. „Die Ausstellung macht sichtbar, dass nicht die Bundeswehr, sondern Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr in Einsätze gehen.“ Auch der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Hellmut Königshaus (FDP), lobte die Ausstellung und ihre Intention. Er erinnerte allerdings auch an die Gefallenen, die aus dem Einsatz eben nicht mehr zurückkehren. „Das ist die schlimmste Form der Heimkehr“, sagte Königshaus.

Im Bundestag gastiert die Ausstellung „Operation Heimkehr“ bis zum 17. Oktober. Informationen zur Anmeldung und zu den Öffnungszeiten auf der Webseite des Deutschen Bundestages unter www.bundestag.de.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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