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Aufgekehrt
Claus Peter Kosfeld
Politiker auf Plateauschuhen

Das Politikerleben ist unsäglich ungesund. Zu viele freundliche Einladungen zum fetten Essen, zu oft bedeutende Termine in heimischen Vereinskreisen mit Sektverstärkung und dann der Stress bei den Kungelrunden mit Partei- und Parlamentsfreunden. Wem ginge da nicht der Blutdruck hoch? Ein Blick nach Nordkorea rückt nun jedoch eine ganz neue Risikovariante ins Bewusstsein der interessierten Öffentlichkeit: den Plateauschuh!

Wir wissen ja nun schon seit seligen „Kiss“-Zeiten in den 70er Jahren („I was made for loving you“: Glanz, Glitter, Glam-Rock), dass kleine Männer mit irrwitzig hohen Stiefelabsätzen durchaus eine gewisse Aufmerksamkeit zu erzeugen wissen und krachermäßig erfolgreich sein können. Wer anschließend 30 Jahre zur Gewöhnung hatte, konnte sich über einen französischen Präsidenten mit gemäßigt hohem Plateauschuh nur wundern, nicht aufregen. Und Nicolas Sarkozy hatte allen Grund, neben seiner Eifelturm-eleganten Ehefrau Carla Bruni etwas höher zu ragen, als er eigentlich ist. Trotzdem abgewählt.

Nun aber das: Auch der nordkoreanische Familiendiktator Kim Jong Un wollte die Aussicht von weiter oben genießen – und ist brutal abgestürzt. Jawohl, zack, runter von den Tretern, umgeknickt soll er sein, beide Knöchel kaputt und ab in die Reha. Da wird den Generälen, die immer um ihn sind wie die Fliegen um das Honigbrot, vor Schreck das Notizheft aus der Hand gefallen sein. Und jetzt? Weg ist der beleibte Führer, seit Wochen nicht gesehen. Insider mutmaßen: entmachtet, ein Putsch, unsichtbar quasi. Große Hoffnungen. Merke, wer als Politiker auf das Hochplateau will, sollte nicht nur stilsicher sein, sondern auch standsicher.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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