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Vor 45 Jahren...
Benjamin Stahl
Der erste rote Kanzler

21.10.1969: Willy Brandt gewählt „Wandel durch Annäherung“, „Ostverträge“, „Kniefall von Warschau“. Willy Brandts Kanzlerschaft blieb wegen eines Strategiewechsels in der deutschen Außenpolitik und einer großen Geste in Erinnerung. Am 21. Oktober 1969 wurde er zum ersten sozialdemokratischen Kanzler gewählt. Vielen galt er als Hoffnungsträger für die deutsch-deutschen Beziehungen, anderen war seine neue Ostpolitik ein rotes Tuch. Es war nicht Brandts erster Anlauf Richtung Kanzleramt, als er 1969 Chef einer sozial-liberalen Regierung wurde. Bereits 1961 und 1965 war er als Kandidat der SPD angetreten. 1969 standen die Zeichen auf Wechsel: Die studentische Protestbewegung hatte die Republik verändert. Zwar wurde die Union erneut stärkste Fraktion, doch erstmals bildeten SPD und FDP ein Regierungsbündnis mit einer Mehrheit von zwölf Sitzen im Parlament. „Mehr Demokratie wagen“ lautete das Motto von Brandts erster Regierungserklärung.

Doch die Aufbruchsstimmung hielt nicht lange. Nach anhaltendem Streit um seine Ostpolitik, die auf Verständigung mit der Sowjetunion, der DDR und Polen setzte, und einem gescheiterten Misstrauensvotum gegen ihn stellte Brandt 1972 die Vertrauensfrage und der Bundestag wurde vorzeitig aufgelöst. Seine Wiederwahl im selben Jahr wertete Brandt als Bestätigung seiner Politik. Doch seine Kanzlerschaft sollte schon 1974 enden: Nachdem sein enger Mitarbeiter Günter Guillaume als DDR-Spion enttarnt wurde, trat er zurück.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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