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Vor 25 Jahren...
Benjamin Stahl
Klammern an die DDR

17.11.1989 Modrows Regierungserklärung Die Mauer war weg, doch von Wiedervereinigung wollte man im Machtzentrum der SED noch nichts wissen. Dabei bröckelte längst auch das Regime. Nachdem im Oktober Erich Honecker zurückgetreten war, folgte ihm am 7. November der Ministerrat mit seinem Vorsitzenden Willy Stoph – die sogenannte Regierung der DDR. Am 13. November wählte die Volkskammer SED-Politbüromitglied Hans Modrow zum Ministerpräsidenten und beauftragte ihn mit der Bildung einer Regierung. Nur noch 28 statt wie bisher 44 Minister zählte Modrows Mannschaft, die er am 17. November präsentierte. Er versprach unter anderem „Reformen des politischen Systems“. Ansonsten war immer wieder von zwei deutschen Staaten die Rede. „Indem sich beide deutsche Staaten uneingeschränkt respektieren, können sie zugleich wertvolles Beispiel kooperativer Koexistenz schaffen“, sagte Modrow. Der Bundesrepublik Deutschland schlug er eine Vertragsgemeinschaft vor, die „weit über den Grundlagenvertrag (…) hinausgeht“. Zwar verabschiedeten Modrow und Helmut Kohl (CDU) dazu im November eine gemeinsame Erklärung, der Bundeskanzler hielt aber am Einheitsgedanken fest, eine Idee, mit der sich Modrow erst später anfreundete. Nachdem er am 11. Januar eine Vereinigung von DDR und BRD noch als „nachrangig“ bezeichnet hatte, bekannte er sich am 1. Februar nach einem Gespräch mit Michail Gorbatschow in Moskau erstmals in einer Pressekonferenz zur Wiedervereinigung.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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