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Aufgekehrt
Sören Christian Reimer
Innovation auf Bayrisch

Bayern brüstet sich gern damit, der Wachstumsmotor der Bundesrepublik zu sein. Und in der Tat: Das südliche Bundesland läuft nicht nur im Fußball allen übrigen den Rang ab, sondern auch wenn es um Wirtschaftskraft geht. Wie es bekanntermaßen in dem Freistaat bei allem Guten üblich ist, hat auch hier die Staatsregierung ihre Finger mit im Spiel. Seit Mitte der 1990er schon unterstützt die von ihr initiierte Bayern Innovativ GmbH Unternehmen im Freistaat. Dafür kann die Gesellschaft sogenannte Innovationsgutscheine vergeben, um Unternehmen zu fördern, die eine frische Idee haben. Beispiele sind etwa eine Firma, die neuartige Verfahren zur Nano-Beschichtung entwickelt, oder ein offenbar innovativer Onlinehändler.

Dieses Internet-Unternehmen erregt nun die Gemüter in der bayrischen Landespolitik. Denn die in Bayreuth ansässige Firma soll sich laut Medienberichten aus der vergangenen Woche auf den An- und Verkauf von sehr speziellen Filmen der Erwachsenenunterhaltung spezialisiert haben. Praktisch wie Ebay, nur halt offenherziger. Das Innovative soll sein, dass auch tatsächlich nur Erwachsene bestellen können und somit der Jugendschutz sichergestellt wird. Für die Entwicklung des Verfahrens wurde das Unternehmen offenbar mit einer fünfstelligen Summe der Innovationsgesellschaft gefördert.

Die Politik des Freistaats zeigt sich nun peinlich berührt, drängt auf Klärung, wie das passieren konnte. Dabei wäre nach dem Niedergang eines Flensburger Traditionsunternehmens mit ähnlichem Portfolio eigentlich Platz am Markt für detailorientierte Aufklärungsfilme. Doch offenbar wollen die Bayern nicht überall spitze sein.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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