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BILDUNG
Annette Rollmann
Absage an T-Shirts vom Wühltisch

Bundestag will Konzept der Nachhaltigkeit stärker gefördert sehen

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ hat längst in allen Politikbereichen Einzug gehalten. Das war vor zehn Jahren noch vollkommen anders. Darauf verwiesen Abgeordnete fast aller Fraktionen am vergangenen Donnerstag in der Debatte über den fraktionsübergreifenden Antrag der CDU/CSU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen zur „Bildung für nachhaltige Entwicklung – Mit dem Weltaktionsprogramm in die Zukunft“ (18/4188).

Der Antrag, der eine stärkere Unterstützung eines zukunftsweisenden und alle Lebensbereiche integrierenden Bildungsansatzes fordert, wurde ohne Gegenstimmen vom Bundestag angenommen. Zwar kritisiert ihn die Bildungspolitikerin Rosemarie Hein für die Linksfraktion als zu „ideenlos“. Ablehnen wollte die Fraktion den Antrag dann aber doch nicht und enthielt sich der Stimme.

UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist ein interdisziplinäres, übergreifendes Lehr- und Lernkonzept. Es soll Menschen ermöglichen, Wissen über nachhaltige Entwicklung anzuwenden und sie befähigen, sowohl die Gegenwart wie die Zukunft vor dem Hintergrund sozialer, ökonomischer und ökologischer Erfordernisse so (mit-) zu gestalten, dass gute Lebensbedingungen für nachfolgende Generationen mindestens genauso gewährleistet sind, wie für die heutige Welt-Gesellschaft, heißt es unter anderem im Antrag. Nach dem Willen von Union, Sozialdemokraten und Grünen sollen die Erfolge der ausgelaufenen UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung 2005 – 2014“ weiter verstetigt und die „flächendeckende Verankerung“ im Bildungssystem vorangetrieben werden.

Überprüfung von Gesetzen Sybille Benning (CDU) wies darauf hin, dass alle Gesetzesvorschläge der Bundesregierung seit der letzten Legislaturperiode verpflichtend auf ihre nachhaltige Wirkung überprüft würden. Das sei ein Mittel, um gegen kurzfristiges Denken anzukämpfen und die Folgen des politischen Handelns über den Horizont der Wahlperiode hinaus in den Blick zu nehmen.

Rosemarie Hein argumentierte, dass der Wunsch nach Verstetigung nachhaltiger Bildung zwar begrüßenswert sei, sich aber keine konkreten Vorschläge dazu im Antrag fänden. Es gebe viele Möglichkeiten, mit Projekten zu punkten. So könne man Kindern und Jugendlichen beispielsweise im Schulunterricht verdeutlichen, dass billige T-Shirts vom Wühltisch meist unter „dramatisch schlechten Arbeitsbedingungen“ hergestellt worden seien. Dieses Thema könnte man zeitgleich in mehreren Fächern unter verschiedenen Aspekten unterrichten.

Saskia Esken (SPD) erinnerte daran, dass der Begriff Nachhaltigkeit in den Anfängen vor allem ökologisch definiert worden sei. Heute fasse man den Begriff viel weiter, zum Beispiel im Sinn einer sozialen und gesellschaftlichen Nachhaltigkeit, der sich mit Entwicklungen wie dem demografischen Wandel oder dem Zusammenhalt einer Gesellschaft auseinandersetzt.

Beate Walter-Rosenheimer (Grüne) betonte, dass Nachhaltigkeit alle Bereiche des Alltags berühre. Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft würden sich gegenseitig beeinflussen: „Alles hängt mit allem zusammen.“ Das Konzept beschreibe einen Weg, um die Welt im Gleichgewicht zu halten und helfe Kinder und Jugendlichen, Kompetenzen zu entwickeln und ihre Zukunft nachhaltiger zu gestalten.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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