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Ortstermin: Kunst im Marie-Elisabeth-Lüders-haus
Sophie Kopsch
»Ich habe kein Lieblingsbild«

Baustaub wirbelt durch die Luft. Es riecht nach trockenem Beton. Durch ein großes, rundes Deckenfenster scheint die Sonne in den Saal und hüllt das triste Grau in warmes Licht. Ein improvisiertes Geländer aus Spanplatten umgibt die Galerie. Es ist laut. Bohr- und Sägegeräusche umgeben Andreas Kaernbach. Inmitten dieses Provisoriums ist er voll in seinem Element. Als Sekretär des Kunstbeirates und als Kurator ist er für die Kunst im Deutschen Bundestag zuständig. Die Baustelle begeistert ihn, obwohl von Bildern, Skulpturen und bunten Farben noch jede Spur fehlt. Kaernbach steht auf der Galerie und blickt in den runden Saal, die zukünftige Eingangshalle im Erweiterungsbau des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses in Berlin-Mitte. Das Gebäude ist ein Teil des Deutschen Bundestags. Im Herbst 2016 soll hier neben Büroräumen und einem Veranstaltungssaal auch ein neuer Ausstellungsraum eröffnet werden.

Zusammen mit seinen Kollegen verschafft sich Kaernbach einen Eindruck über die Größe und die Aufteilung der Räume. Während des Baus spricht er sich mit den Architekten über die Innenausstattung ab, denn Kaernbach und sein Team bringen beim Kunstbeirat Ideen für Ausstellungen und deren Realisierung ein. Dafür müssen sie die Räumlichkeiten gut kennen.

„Das Besondere an der Eingangshalle ist, dass sie sich einer Skulptur anpassen musste“, erzählt Kaernbach. Die Besucher sollen zukünftig von Bernhard Heiligers Hängeskulptur „Kosmos 70“ empfangen werden. Die Skulptur hing zwischen 1970 und 1994 im Reichstag, passte beim Umbau jedoch nicht mehr hinein. „Nun wandert das Werk über die Spree von der Westseite in den Osten“, erklärt Kaernbach.

Kunst ist dem Bundestag wichtig. Jährlich stellt er der Kunstabteilung ein Budget von 275.000 Euro zur Verfügung. Mit diesem Geld wird die Kunstsammlung Jahr um Jahr erweitert und fortentwickelt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf moderner Kunst. Derzeit umfasst die hauseigene Artothek 4.000 Gemälde. Die Abgeordneten haben die Möglichkeit, sich Bilder für ihre Büros zu leihen. „Kunst ist somit bei der alltäglichen Arbeit der Abgeordneten vor Ort und gibt die Möglichkeit, einen Dialog zwischen ihr und der Politik herbeizuführen“, sagt Kaernbach. Wichtig ist ihm dabei auch die Förderung und Ermutigung von Künstlern, die mit ihren Werken ein Statement in den Räumen der Politik hinterlassen können. Die Ausstellungen des Bundestages sollen einen tieferen Einblick in die Kunstsammlung und auf das Leben und Werk ihrer Künstler gewähren. Der neue Kunstraum ist darauf ausgelegt, dass Besucher jederzeit ohne Voranmeldung hineingehen können.

Neben Ausstellungsideen und Bildankäufen hält Kaernbach auch die Artothek in Stand. Als promovierter Historiker beschäftigt er sich am liebsten mit der Geschichte seiner Bilder. Ein persönliches Lieblingsbild hat Kaernbach nicht, allerdings bereits Ideen für die erste Ausstellung im Lüders-Haus. „Verraten möchte ich aber noch nichts.“ Man darf gespannt sein.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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