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INTERNATIONAL
Johanna Metz
Frankreich sagt »Non«

Wer Fracking verbietet und wer es erlaubt

Über Nutzen und Risiken von Fracking wird auch in anderen Ländern kontrovers diskutiert. In den USA, wo das Verfahren 1949 das erste Mal angewandt wurde, ist die Förderung von Schiefergas in vielen Bundesstaaten verboten oder mit einem Moratorium belegt. In Staaten wie Texas oder North Dakota hingegen sind mehr als 1.000 Bohranlagen aktiv. Die Energiepreise in den USA sind in der Folge massiv gesunken, das Land ist auf dem Weg zur Energieunabhängigkeit. Doch durch das Überangebot an billigem Öl und Gas droht die Fracking-Industrie zum Opfer ihres eigenen Erfolgs zu werden: Die Investitionen in das kostenintensive Fracking lohnen sich für viele Firmen nicht mehr. Zahlreiche Bohranlagen wurden deshalb in den vergangenen Monaten geschlossen.

Staaten wie China oder Argentinien wollen es den USA dennoch nachmachen und ihre Schiefergas-Vorkommen fördern.

In der Europäischen Union kann jedes Land selbst entscheiden, ob es Fracking nutzen will oder nicht. Die Europäische Kommission hat bisher keine verbindlichen Vorgaben dazu gemacht. Im Januar 2014 erließ sie zur großen Enttäuschung von Umweltverbänden lediglich eine Empfehlung an die EU-Staaten. Darin rät sie unter anderem, Umweltauswirkungen und -risiken bei Fracking-Projekten sorgfältig zu prüfen, die Qualität von Gewässern, Luft und Boden laufend zu kontrollieren und die Öffentlichkeit umfassend zu informieren.

Frankreich und Bulgarien sind da bereits weiter gegangen. Beide Staaten haben Fracking 2011 beziehungsweise 2012 verboten. In anderen EU-Staaten scheitern die Fracking-Pläne der Regierung oft am Widerstand der Bevölkerung. So hatte die polnische Führung lange große Hoffnungen in die Fracking-Industrie gesetzt, vor allem um unabhängig von russischem Gas zu werden. Doch die Gasvorräte waren nicht so groß wie erhofft und die Bürger haben landesweit durch wochenlange Blockaden von Förderanlagen deutlich gemacht, dass sie kein Fracking dulden.

Ähnlich ist die Situation im Spanien. Während die Regierung in Madrid auf die Schiefergas-Reserven des krisengeschüttelten Landes setzt, untersagte das Regionalparlament in Kantabrien 2013 nach massiven Bürgerprotesten weitere Fracking-Bohrungen. In der Provinz wurden zuvor erhebliche Mengen an Schiefergas gefunden.

In den Niederlanden, die nach Norwegen der größte Erdgasproduzent Europas sind, kündigt sich eine ähnliche Entwicklung an. Weil dort die konventionelle Erdgasförderung zu mehr als tausend Erdbeben in der Region um Groningen geführt hat, kämpfen Bürger und Kommunen inzwischen erbittert gegen die Fracking-Pläne der Regierung. Diese hält jedoch vorerst an Probebohrungen fest.

Großbritannien ist von allen EU-Staaten bisher am weitesten vorgeprescht in Sachen Fracking. Das Parlament verabschiedete im Februar 2015 ein Gesetz, das die Schiefergas-Förderung sogar in Nationalparks und anderen Schutzgebieten erlaubt, solange die Oberflächenbohrungen etwas außerhalb der Schutzgebiete beginnen. Zuvor waren tausende Fracking-Gegner auf die Straße gegangen, um für ein generelles Verbot zu demonstrieren.

Das Land in Europa mit den größten Schiefergas-Vorkommen ist die Ukraine. Sie zahlt zugleich den höchsten Preis für russisches Erdgas und strebt deshalb händeringend nach mehr Unabhängigkeit. Doch ob die Fracking-Vorhaben der Regierung je realisiert werden können, ist unklar: Wichtige Erdgasfelder liegen in der von Separatisten kontrollierten Ostukraine und auf der Krim.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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