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Aufgekehrt
Sören Christian Reimer
Das böse Laster

Barack Obama hat es nicht leicht. Der Kongress in
Washington ist gespalten, kaum ein Gesetz kommt zügig voran. Die Republikaner gönnen ihm nicht die Butter auf dem Brot. Und wenn sich der Präsident dann in der Welt umschaut, sieht es auch nicht besser aus: Russland macht einen auf Halbstarken und der Nahe Osten steht permanent in Flammen. Da könnte man doch glatt verstehen, wenn der US-Präsident zur Flasche greift, um sich die Welt schön zu saufen. Doch auch das scheint schwieriger zu sein, als man für den mächtigsten Mann der Welt gemeinhin annehmen würde: Am Rande des G7-Gipfels im bayrischen Elmau bekam der US-Präsident zwar ein Bier, das war aber alkoholfrei. "Prost" geht anders

Und dann noch das: Ein Mitarbeiter des italienischen Regierungschefs Matteo Renzi schoss ein Foto seines Chefs mit Obama auf einem Balkon des Schlosses Elmau. Der US-Präsident scheint dabei eine Packung Zigaretten zu halten und eine Fluppe herauszuziehen. Hat der angebliche Raucher a.D. wieder mit dem Quarzen angefangen, rätseln nun die Medien. Schließlich ist Rauchen in den USA (aber nicht nur dort!) in genussfeindlichen, verbotsaffinen Zirkeln inzwischen ein Zeichen von Charakterschwäche. Dort rauchen in Filmen kaum noch mehr die Bösewichte. Und überhaupt: Vorbildfunktion! Gesundheit! Und billig sind die Dinger in DC auch nicht. Immerhin muss sich der vermeintliche Smoker-in-Chief keinem Wahlkampf mehr aussetzen und sich für den Genuss rechtfertigen. Ungemach droht trotzdem: First Lady Michelle wird nicht amüsiert sein. Aus Furcht vor ihr soll Obama einst dem Laster abgeschworen haben.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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