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Aufgekehrt
Hans Krump
Simbabwe und die größte Zahl

Zahlenfreaks haben ihre helle Freude, wenn sie an Simbabwe denken. In dem südafrikanischen Land tummeln sich Billiardäre, Trillionäre, Trilliärdäre, dass sich die Balken biegen. Im heruntergewirtschafteten Staat von Diktator Mugabe gibt es sogar eine Hundert-Billionen-Dollar-Note. Nicht als US-Dollar, sondern als Vierter Simbabwe-Dollar. Leider kann man sich von den bunten Scheinen praktisch nichts kaufen. Seit vergangener Woche wird deshalb der nur noch bei Touristen beliebte Simbabwe-Dollar aus dem Verkehr gezogen. Für 35 Billiarden (35.000.000.000.000.000) Simbabwe-Dollar bekommt man einen
US-Dollar. Das, nachdem auch die ersten drei Simbabwe-Dollars seit 1980 kräftig "nullten" und umgetauscht werden mussten. Übertroffen wird Simbabwes Hyperinflation bislang nur noch von der Ungarns, wo es 1946 für 400 Quadrilliarden Pengö (4 mit 29 Nullen) einen neuen Forint gab.

Wir Deutschen haben indes keinen Grund, uns über Inflationswährungen lustig zu machen. Schließlich kostete bei unserer Superinflation 1923 ein Brot 5,6 Milliarden Mark, zuletzt gab es 100-Billionen-Mark-Noten.

Trotzdem muss man sich über die Simbabwer inzwischen ernste Sorgen machen. Bei jeder "Umrubelung" kamen neue Nullen dazu. Wo soll das enden? Schließlich soll der US-Dollar nur übergangsweise gelten und irgendwann wieder mit eigenem Geld gezahlt werden. Ein neuer Simbabwe-Dollar könnte dann in ganz neue Zahlen-Dimensionen vorstoßen. Vielleicht gibt es einmal Scheine für googol (1 mit 100 Nullen) oder für googolplex (10 hoch googol) Dollar. Oder für googolplexplex Dollar mit immer mehr -plexen am Ende. Oder gar für die größte in der Mathematik verwendete natürliche Zahl, Grahams Zahl G64 zur Lösung eines graphentheoretischen Problems. Sie ist nicht mehr darstellbar - so wie die Währung im bitterarmen Simbabwe.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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