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Gastkommentare - Pro
Constanze von Bullion
Endlich erlauben

Volles Adoptionsrecht für alle?

Wer die jüngsten Bundestagsdebatten zur Homo-Ehe verfolgt hat, konnte den Eindruck gewinnen, bald seien alle für die "Ehe für alle". Selbst die Union, die sich seit Jahren gegen die volle rechtliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben wehrt und ihnen die Adoption von Kinder nicht erlauben will, schickt neuerdings Redner in die Bütt', die eingetragene Lebenspartnerschaften vergleichsweise milde beurteilen: als Übernahme gegenseitiger Verantwortung. Der Ton ändert sich, die Hysterie flaut ab. Gut so. Eltern gleichen Geschlechts gibt es längst im Land. Für Kummer sorgt das nicht, jedenfalls nicht bei ihren Kindern.

Wer das nicht glauben mag, möge Studien über Kinder lesen, die von Lesben geboren, von Schwulen in Pflege genommen oder - in anderen Ländern - adoptiert wurden. Keine dieser Studien ergibt, dass die Kinder benachteiligt sind, öfter gehänselt werden, sich auffällig entwickeln oder - noch so ein Vorurteil - erhöhtem Risiko sexuellen Missbrauchs ausgesetzt sind. Wer das unterstellt, argumentiert bar jeder Grundlage und schürt nur Ängste.

Deutschland muss sich endlich einen Ruck geben und Homosexuellen das Heiraten und Adoptieren erlauben. Ja, Kinder brauchen männliche und weibliche Vorbilder. Aber das müssen nicht zwingend die eigenen Eltern sein. Ja, Paare gleichen Geschlechts können sich nicht auf natürliche Weise miteinander fortpflanzen. Aber was unterscheidet sie da von Heterosexuellen mit unerfülltem Kinderwunsch, die sich für künstliche Befruchtung oder Adoption entscheiden? Nichts. Der Verweis auf Mutter Natur ist nur ein Vorwand, dahinter verbirgt sich Ressentiment. Zeit, sich davon zu verabschieden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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