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Gastkommentare - Contra
Martin Kessler
Ein Unterschied

Volles Adoptionsrecht für alle?

Die Homosexuellen in Deutschland haben sich in langen Jahren viele Rechte erstritten - oft gegen erbitterten gesellschaftlichen Widerstand. Heute sind homosexuelle Paare in fast allen Rechten der traditionellen Ehe gleichgestellt, egal ob Ehegattensplitting oder Erbfolge. Nur die Bezeichnung "Ehe" und das Recht, als Paar fremde Kinder zu adoptieren, blieben davon ausgenommen. Über "Ehe für alle" lässt sich diskutieren. Die Gleichstellung beim Adoptivrecht geht zu weit.

Bei der Frage, wer Kinder adoptieren darf, stellt der Gesetzgeber zu Recht hohe Anforderungen. Ganz im Zentrum stehen das Kindeswohl und die Aufgabe, für Kinder, die zur Adoption freigegeben werden, die geeignetsten Eltern zu finden. Das setzen die Jugendämter in aller Regel sehr sorgfältig um. Wer sich am Kindeswohl orientiert, muss die Befindlichkeiten von Adoptionskindern kennen. In den meisten Fällen setzen sich adoptierte Kinder in einem schmerzhaften Prozess mit der Frage auseinander, warum sie abgegeben wurden. Das ist eine Wunde, die oft für ein Leben bleibt.

Adoptierte Kinder wollen so viel "heile Welt" wie möglich, und dazu zählt eine Familie mit Mama und Papa. Ein homosexuelles Paar kann natürlich auch aus zwei liebenden Elternteilen bestehen. Es bringt aber eine weitere Störung in die ohnehin nicht einfache Entwicklung der Adoptivkinder, besonders wenn die in der Pubertät ihre eigene Persönlichkeit herausbilden. Anders ist es bei der Stiefkindadoption. Hier ist immerhin ein Elternteil der biologische Vater oder die biologische Mutter. Ist diese Bande nicht gegeben, dann ist es eben doch ein Unterschied, ob ein traditionelles Paar oder ein homosexuelles Paar ein Kind adoptiert.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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