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suizidprävention
Claus Peter Kosfeld
Mehr Hilfen bei Suizidgefahr

Nach Ansicht der Opposition muss mit konkreten Initiativen rasch etwas gegen die hohe Zahl von Selbstmordversuchen in Deutschland unternommen werden. Die Grünen-Abgeordnete Maria Klein-Schmeink wies vergangene Woche bei der Beratung über einen entsprechenden Antrag ihrer Fraktion (18/5104) darauf hin, dass im Jahr rund 100.000 Selbstmordversuche und rund 10.000 Suizide registriert würden. Das sei eine enorme Größenordnung.

Viele Opfer seien ältere Leute, in vielen Fällen spielten psychische Erkrankungen oder akute Krisenlagen eine Rolle. Nötig seien daher einfach erreichbare Hilfsangebote, die überall verfügbar sein müssten. Daneben gelte es, Möglichkeiten für spontane Suizide einzuschränken. So sei bekannt, dass leicht zugängliche Waffen oder Medikamente zu Kurzschlusshandlungen verleiten könnten.

Birgit Wöllert (Linke) stellte einen Zusammenhang her zwischen Arbeitslosigkeit, Depressionen und Suiziden. Neben mehr Beratung, Weiterbildung und Forschung sei daher vor allem "eine Kultur der Anerkennung" für jeden Menschen wichtig.

Abgeordnete von Union und SPD gestanden zu, dass dieses Thema in der Gesellschaft bisher mit einem Tabu belegt sei und offener behandelt werden müsste. Allerdings wandten sich Redner der Union gegen den Eindruck, als könnten Selbstmorde, etwa mit Änderungen im Waffen- oder Medikamentenrecht, verhindert werden. Reiner Meier (CSU) merkte an, die Motive seien "höchst individuell". Beim Zugang zu Beruhigungs- oder Schmerzmitteln wären pauschale Verbote außerordentlich problematisch. Meier erinnerte zugleich daran, dass der Zugang zu Psychotherapeuten unlängst gesetzlich verbessert worden sei.

Helga Kühn-Mengel (SPD) sprach von einem wichtigen, tabuisierten und traurigen Thema. Die in dem Antrag enthaltenen Forderungen an den Bund seien allerdings falsch adressiert, weil sie Ländersache seien. Das betreffe etwa die Aufklärung an Schulen oder den öffentlichen Gesundheitsdienst, aber auch die "kultursensible Beratung" von Migranten. Sinnvoll wären daher mehr Hilfen vor Ort.

Was die verlangten Aufklärungskampagnen zum Thema Suizid angehe, müsse immer kritisch nach der Wirkung gefragt werden, sagte Kühn-Mengel in Anspielung auf mögliche Nachahmungs-Selbstmorde. Der Grünen-Antrag wurde zur weiteren Beratung an die Fachausschüsse verwiesen.pk

Aus Politik und Zeitgeschichte

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