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Gastkommentare - Pro
Thorsten Denkler
Selbstbestimmt

Soll Sterbehilfe möglich sein?

Ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben - wer würde diesen Satz nicht unterschreiben? Ein Recht auf einen selbstbestimmten Tod? Da wird alles schnell zu einer Glaubensfrage.

Im Bundestag werden jetzt verschiedene Gruppenanträge diskutiert, in denen es um die Sterbehilfe geht. Besser: um die Grenzen der Sterbehilfe. Nicht um ihre Möglichkeiten. Allerhöchstens soll die bisher straffreie, assistierte Sterbehilfe legalisiert werden.

Nichts aber zur Frage der aktiven Sterbehilfe. In den Anträgen findet sich keine Antwort für jene, die nicht mehr selbst in der Lage sind, sich einen bereitgestellten Gift-Saft an den Mund zu führen, die Hilfe bräuchten, um ihr Leiden zu beenden. Es gibt Krankheiten, in denen die beste Palliativ-Medizin die Not nicht lindern kann. Menschen, die in solchen Situationen den Freitod suchen, werden allein gelassen vom Gesetzgeber.

In der Debatte um Sterbehilfe müsste es um Ermöglichung gehen. Nicht um Beschränkung. Die moralischen Vorstellungen von Sterben und Tod können nicht vereinheitlicht werden. Wenn die Würde des Menschen unantastbar ist, muss dies vor allem für jene Momente gelten, in denen die Würde besonders verletzlich ist. Das Recht auf einen selbstbestimmten Tod ist ein wichtiges Moment dieser Würde. Darum muss es Ärzten möglich sein, Menschen, die sterben wollen und aus eigener Kraft keinen Weg finden, aktiv zu helfen.

Dafür muss es klare Regeln geben: Ärzte dürfen nicht verpflichtet werden zu helfen. Dieser Dienst muss freiwillig sein. Es darf niemand Geld damit verdienen. Und nur großes, unheilbares Leid kann Grundlage sein für aktive Sterbehilfe. Es gibt ein Recht auf Leben. Aber keine Pflicht zum Leiden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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