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Gastkommentare - Contra
Johannes Loy
Unantastbar

Soll Sterbehilfe möglich sein?

Merkwürdig: Warum reden wir in Deutschland, einem der wohlhabendsten und medizinisch bestausgerüsteten Länder, so viel über den Tod und so wenig über das Leben? Freilich: Die moderne Medizin bietet Möglichkeiten, die als Segen und Fluch zugleich empfunden werden. War der Tod früher akzeptierter Teil des Lebens, so wird er heute in die Kliniken und Heime abgeschoben. Dort fühlen sich viele Menschen sozial isoliert und im Extremfall einer kalten Apparate-Medizin ausgeliefert, die das Sterben möglicherweise qualvoll verlängert. Der Wunsch kranker Menschen, notfalls auch mit Hilfe Dritter sterben zu wollen, entspringt der Angst, anderen zur Last zu fallen oder ausgeliefert zu sein.

Gegen diese Angst lässt sich viel tun. Palliativ-Netzwerke und Hospize leisten vorbildliche Arbeit, die es zu stärken gilt. Mediziner berichten, dass der von Patienten geäußerte Wunsch, dem Leben ein Ende zu setzen, nachlässt, wenn der Arzt Schmerzen wirksam lindert und das familiäre Umfeld Halt bietet. Und für den Arzt bleibt es ein fundamentaler Unterschied, ob er eine sinnlose Behandlung abbricht und passive Hilfe beim Sterben gewährt oder auf Verlangen des Patienten oder sogar der Angehörigen aktiv die Giftspritze setzt. Ärzte sind dem Leben verpflichtet, nicht dem Tod.

Das Leben und die Menschenwürde sind unantastbar. Das gilt gerade aus Sicht von Christen, die ihr Leben als Geschenk und Aufgabe und nicht als Verfügungsmasse ansehen, am Anfang des Lebens und somit auch am Ende. Denjenigen, die mit Tod und Angst Geschäfte machen, ist ein Riegel vorzuschieben. Wahrhaft human ist die liebevolle Begleitung des Sterbenden, nicht die Todesspritze.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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