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Gastkommentare - Pro
Vera Gaserow
Asyl mit Perspektive

Flüchtlingsverteilung in der EU freigeben?

Ein Dauerproblem, so ungelöst wie dringend: Beim Flüchtlingsschutz machen sich allzu viele EU-Mitglieder einen verdammt schlanken Fuß. Diese Flucht aus der Verantwortung muss Europa schleunigst mit einer gerechten Lastenverteilung stoppen. Im Prinzip richtig. In der Praxis falsch – jedenfalls dann, wenn Brüssel dazu nichts anderes einfällt als das Pokern um Quoten, nach denen man „die Last“ Flüchtling von einem Land zum anderen schiebt.

N ur zur Erinnerung – es geht hier nicht um Milchquoten oder Agrarsubventionen. Es geht um notleidende Menschen. Menschen, die ein Mindestmaß an Humanität, sozialer Absicherung, beruflicher Zukunft und Hilfe durch eigene Landsleute suchen. Wo bitte sollen sie die finden im pleitegebeutelten Griechenland? Wo in Rumänien, das seine eigenen Minderheiten in die Flucht treibt, wo im krisengeschüttelten Spanien, dessen Jugend selbst vor der Arbeitslosigkeit gen Norden flieht?

M it dieser Politik täte sich auch Europa keinen Gefallen. Das zeigt nicht zuletzt das Dublin-Abkommen. Das EU-Regelwerk vergattert Asylbewerber, in den Ländern zu bleiben, wo sie erstmals europäischen Boden betraten. Das sind vor allem die Mittelmeeranrainer. Längst wohnen die Flüchtlinge trotzdem in Köln, Amsterdam oder Stockholm – nur heimlich und rechtlos. Nein, wer in einem ökonomisch und sozial so ungleichen Europa Menschen in Länder drängt, wo sie keine Perspektive haben, schafft keine Gerechtigkeit, sondern einen Verschiebebahnhof. Einige werden dort auf dem sozialen Abstellgleis bleiben. Viele jedoch werden – Aufnahmequoten hin oder her – unerlaubt doch nach Skandinavien, Belgien oder Deutschland ziehen. Auf ihrem Weg dorthin hat Europa dann wichtige Zeit für ihre Integration verloren.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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