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Gastkommentare - Pro
Holger Möhle
Anspruch einlösen

DEUTSCHLAND - VORREITER BEIM KLIMASCHUTZ?

Deutschland ist eine Mittelmacht mit globalen Interessen. Der Klimaschutz gehört dazu. Eine Mittelmacht kann globale Prozesse anstoßen, erst recht, wenn die Energiewende nationales Ziel ist. Wer außer Deutschland könnte die Vorreiterrolle übernehmen? Die USA sind seit Jahren allenfalls Vorreiter eines Minimalkompromisses, der möglichst keine Reduktionsziele nennt. China kommt nur langsam in die Gänge, obwohl Peking allmählich die Notwendigkeit eigener Treibhausgas-Reduktionen erkennt. Und Russland freut sich über scheinbar unbegrenzte fossile Ressourcen, mit deren Lieferstopp man widerborstige Nachbarstaaten auch mal frieren lassen kann.

Die Weltklimakonferenz Ende des Jahres in Paris wird zäh. Und sie wird wieder einmal zeigen, dass die Weltgemeinschaft zu einem großen Kompromiss nicht fähig ist. Deutschland hat beim jüngsten G7-Gipfel die "großen Sieben" aber hinter einer Einigung versammelt, die zumindest vorsichtig optimistisch stimmt: Noch in diesem Jahrhundert soll die Weltwirtschaft ohne Öl und Gas auskommen. Und der Ausstoß an Treibhausgasen soll bis 2050 (im Vergleich zu 2010) auf bis zu 70 Prozent reduziert werden - eine "gemeinsame Vision".

Deutschland will seinen Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 senken. Damit täte es mehr als in Europa verabredet, liegt aber bislang noch hinter diesen Erwartungen zurück. Der Umstieg auf erneuerbare Energien ist konsequent, muss aber auch stringent verfolgt werden. Klima-Queen und Eisbär-Minister? Das Bild von Angela Merkel und Sigmar Gabriel 2007 in Grönland ist eine schöne Metapher für den deutschen Anspruch beim Klimaschutz. Sie müssen ihn nur einlösen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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