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Parlamentarisches Profil
Franz-Ludwig Averdunk
Der Klimaschützer: Andreas Jung

Wurde jüngst auf Schloss Elmau die Tür zum Paradies für Klimapolitiker aufgestoßen - mit den weitreichenden Beschlüssen beim G-7-Treffen? Andreas Jung zeigt sich zwar zufrieden über das "sehr, sehr gute Ergebnis", das der Kanzlerin gelungen sei. Indes: "Das Paradies ist meistens nicht auf Erden." Der Vergleich ist mehr als dick aufgetragen. Aber bei Jung bietet er sich an. Kokettierte der 40-jährige CDU-Abgeordnete doch damit, im "Paradies" zu wohnen, einem Stadtteil von Konstanz. Vor kurzem ist er auf die nahe Insel Reichenau umgezogen, "auch besonders schön". Wie er denn insgesamt auf die "ökologisch sensible, ja auch gesegnete Landschaft" am Bodensee verweist: Ein wichtiger Grund für ihn, sich umweltpolitischen Themen besonders verpflichtet zu fühlen. Interesse daran habe er schon als Schüler mit seinem Engagement in der "AG Müll" entwickelt.

Klimaschutz ist der Schwerpunkt seiner Arbeit, seit er - bis dahin Rechtsanwalt - 2005 erstmals in den Bundestag einzog: "Ich habe mich bewusst darum beworben, in dem Bereich zu arbeiten." Inzwischen fungiert er als Beauftragter für Klimaschutz der CDU/CSU-Fraktion. Und weiß Elmau besonders zu würdigen - als Etappensieg. Er zieht den Vergleich zur Tour de France, sieht das Treffen bei Garmisch-Partenkirchen sozusagen als den Alpen-Teil des Rennens: Zielgerade im Dezember auf den Champs-Élysées: UN-Klimakonferenz in Paris. Dort würden die G-7-Teilnehmer daran gemessen, was aus ihren Absichtserklärungen geworden ist. Mit Elmau habe das Thema auf jeden Fall die unerwartete Chance einer "Dynamik" bekommen. Weg vom "Mikado-Spiel": "Wir warten, bis die anderen etwas machen."

Wächst nach Angela Merkels Vorstoß jetzt nicht der Druck auf die deutschen Klimapolitiker, hierzulande vorbildhaft konkret zu werden? Nicht Druck, sondern "Rückenwind" verspüre er, wenn es um die Klima-Sache in Deutschland geht - und verweist auf "Braunkohle, Energieeffizienz, nachhaltige Mobilität". Am deutschen Klimaziel lässt er nicht rütteln - bis 2020 eine 40-Prozent-Reduktion des CO2-Ausstoßes im Vergleich zu 1990. Werde dies nicht erreicht, "werden wir es nicht schaffen, andere mit ins Boot zu holen".

Also müsse "auch die Braunkohle ihren Klimabeitrag liefern". Das dazu von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) zunächst ausgetüftelte Modell eines Klimabeitrags beschäftigte Jung als Mitglied des Bundestagsausschusses für Wirtschaft und Energie. Es gehe "nicht um den Ausstieg von heute auf morgen", sagt er. Aber ein "schrittweiser Rückgang" des Abbaus sei nun mal "unvermeidbar". Auf welchem Weg? Er zeige sich "für alle Vorschläge offen". Am Ende steht nun das ganz andere Modell, Kraftwerksblöcke stillzulegen und zunächst als Reserve vorzuhalten. Festgelegter ist er beim Fracking, wie er jetzt zuletzt bei der Beratung des Gesetzes deutlich machte. Dazu zählt ein absolutes Tabu von Trinkwasser-Bereichen. Und das von der Industrie avisierte chemiefreie Fracking hält er "allenfalls als Forschungsvorhaben" und mit "klarer Begrenzung" für richtig. Stromtrassen? "Alle Bundesländer müssen sich konkret einbringen." Mithin: "Was Bayern vorgelegt hat, ist sicherlich noch nicht das Ende der Fahnenstange."

Ausstieg aus der Kernenergie? Für ihn richtig und auch "mit ganz großer Mehrheit" nach "keiner einfachen Diskussion" auch Beschlusslage der Partei: Schon "weil wir über Tausende von Jahren mit den Abfällen umgehen müssen". Er ist Mitglied der Kommission, die nach einem Endlager sucht. Ein zähes Unterfangen. Er drückt es diplomatisch aus: "Wahr ist, dass wir nur langsam in die Diskussion hereinkommen." Aber es handle sich um eine "Riesenaufgabe". "Wir müssen einen Beitrag dazu leisten, dass ein Konflikt, der über Jahrzehnte gesellschaftlich und politisch ausgetragen wurde, befriedet werden kann."

Inzwischen trifft Jung vermehrt Parlamentarier, die die Sache mit dem Atomausstieg ganz anders sehen. Französische Kollegen nämlich. Jung hat am 1. Juni seinen Antrittsbesuch in Paris gemacht als neuer Vorsitzender der deutsch-französischen Parlamentariergruppe. Viele Urlaube mit seinen Eltern in Frankreich, ein Bretone als Großonkel, enge Kontakte zwischen Badenern und Elsässern - er ist Chef der CDU Südbaden: Jung spricht von einer "engen Verbindung". Vor allem aber sieht er das Potenzial in der neuen Aufgabe: "Die deutsch-französische Achse ist die Lebensader des politischen Europa." .

Aus Politik und Zeitgeschichte

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