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Elektromobilität
Christoph Birnbaum
Fast allein auf weiter Flur

»Stromer« finden in Deutschland kaum Kunden - auch weil es bisher nur 4.000 Ladestationen gibt

Der vierfache Formel-1-Sieger Alain Prost hat gleich mehrere von ihnen, ebenso Multimilliardär Richard Branson und auch Schauspieler Leonardo di Caprio: Formel-E-Rennwagen mit bis zu 300 PS starken batteriebetriebenen Motoren. Vor einigen Wochen ließen die Promis ihre Boliden bei der ersten deutschen Formel E mitten in Berlin auf dem Tempelhofer Feld gegeneinander antreten. Dort drehten sie ihre Runden mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometern und warben für die E-Mobilität.

Doch was im Rennsport zur Überraschung der vielen Zuschauer bereits möglich ist, fristet in der bundesdeutschen Autofahrer-Wirklichkeit eher ein tristes Nischendasein. Nur selten sind Elektroautomobile, so genannte "Stromer", auf den Straßen zu sehen, obwohl die Kohlendioxid-freie Mobilität eigentlich als wichtiger Baustein in der Energiewende der Bundesregierung gilt.

Denn so künstlich wie ihre Namen sind, so wenig werden sie von deutschen Kunden nachgefragt: Opel Ampera, der VW E-Golf oder der kleinere VW E-up!, die B-Klasse von Mercedes als EDrive, der Smart Fortwo ED oder der BMW i3 - der richtige Renner sind sie nicht gerade in der Verkaufsstatistik, auch wenn sich der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) schon einmal für einen Werbespot in den Stromer aus Bayern hineingezwängt hat. Im Mai, so hat das Kraftfahrtbundesamt bekannt gegeben, wurden bundesweit nicht mehr als 574 Elektrofahrzeuge zugelassen. Die Stromer machen damit nur 0,2 Prozent des Gesamtmarktes aus.

Geringe Reichweite Die geringe Reichweite, der hohe Preis und die unzureichenden Lademöglichkeiten gelten als größte Hemmnisse für eine steigende Nachfrage. Zudem ist mit rund 4.000 derzeit installierten Ladestationen das Netz der E-Tankstellen mehr als überschaubar. Dabei sollen von den "Stromern", geht es nach der Bundesregierung, bereits in fünf Jahren rund eine Million auf unseren Straßen fahren. 2030 sollen es bereits sechs Millionen Stück sein. Doch die Nachfrage bleibt bis heute aus. Die Bundesregierung räumt deshalb auch ein, dass man sich in einer "schwierigen Marktvorbereitungsphase" befindet. Und das, obwohl die deutschen Autobauer rund 17 Milliarden Euro in die neue Technik investiert haben. Jetzt sei die Politik am Zug, moniert die Industrie, denn auch das Elektromobilitätsgesetz von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat sich nicht gerade als Initialzündung für die E-Mobilität in Deutschland erwiesen: Eigene, kostenlose Parkplätze und Busspuren, auf denen E-Autors fahren dürfen sind bisher kein ausreichender Anreiz für Kunden, um sich einen "Stromer" zu kaufen. Anders könnte es da mit einer jetzt diskutierten Sonderabschreibung (AfA) für den Kauf von batteriebetriebenen Fahrzeugen sein. Bis zu drei Milliarden Euro soll Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dafür locker machen, um vor allem Unternehmen zu bewegen, auf Elektrofahrzeuge umzusteigen. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) haben schon Sympathie dafür geäußert.

Norwegen boomt Andere Länder sind bereits sehr viel weiter. "Der japanische Markt ist zum jetzigen Zeitpunkt einer der hochentwickeltsten Märkte für Elektromobilität. Mit der frühen marktreifen Einführung der Hybridtechnologie gibt es dort eine lange Tradition innovativer Antriebe", gibt die Bundesregierung zu. Und in Norwegen boomt der Stromer-Markt geradezu. Dank großzügiger Förderungen und Privilegien für Stromer verkauft sich dort etwa der Tesla S besser als der VW Golf. Die Nachfrage ist so groß, dass für gebrauchte Teslas mehr bezahlt wird als für neue - dank großzügiger Steuervergünstigungen und einem Wegfall der Mautgebühren.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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