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Landwirtschaft
Christoph Birnbaum
Mitverursacher und Opfer des Klimawandels

Kaum Verbesserungen bei Emissionen

Auf der einen Seite ist die Landwirtschaft eines der größten Opfer des Klimawandels. Auf der anderen Seite trägt sie maßgeblich mit zur Erderwärmung bei. Denn so sauber, wie sich die Landwirtschaft gerne nach außen gibt, ist sie nicht: Rund 14 Prozent der weltweit emittierten Treibhausgase stammen aus der Agrarwirtschaft, 80 Prozent von ihnen werden vornehmlich in Entwicklungsländern freigesetzt. Das gilt ganz besonders für den Einsatz von Düngemitteln, der Bodenbearbeitung und Verbrennung von Ernterückständen, trifft aber auch für den Nassreisanbau in Asien zu. Agrarische Treibhausgas-Emissionen übersteigen inzwischen die Emissionen aus der Rodung von Wäldern und anderen direkten Landnutzungsänderungen. Die Landwirtschaft ist weltweit nach dem Energiesektor die zweitgrößte Quelle für die Freisetzung von Treibhausgasen.

Im globalen Maßstab haben sich dabei die Emissionen in den zurückliegenden 50 Jahren nahezu verdoppelt. Ohne gezielte Anpassungsmaßnahmen, haben Wissenschaftler der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO errechnet, würde die Freisetzung vor allem von Methan und Lachgas bis zum Jahr 2050 sogar noch einmal um weitere 30 Prozent steigen. In ihrer Studie "Global Change Biology" kommen sie zu dem Ergebnis, dass die Emissionen klimaschädlicher Gase aus der klassischen Landwirtschaft mittlerweile größere negative Auswirkungen haben, als durch die globale Entwaldung.

Tierzucht steigt weltweit Der Grund dafür ist einfach zu erklären. Es ist der weltweite Hunger nach Fleisch aber auch nach Milchprodukten, der die Tierzucht immer weiter ansteigen lässt. Denn eine Hauptquelle für die Emission von Methangasen ist die Rinderzucht. Methan entsteht durch Pansenbakterien im Magen von Wiederkäuern. Rinder, Schafe oder Ziegen, die sich die Menschheit in großer Zahl hält, sind deshalb auch die eigentlichen "Öko-Schweine". Ganz besonders da, wo die Rinderhaltung massiv zugenommen hat - beispielsweise in Brasilien aber auch in Argentinien. Denn ein "pansengärendes Rindvieh" kann es locker in Sachen Kohlendioxid-Ausstoß mit einem Kleinwagen aufnehmen: Gut 111 Kilogramm Methan emittiert eine Kuh im Jahr. Umgerechnet in Kohlendioxid entspricht dies den Emissionen von 18.000 gefahrenen Kilometern. Und Methan ist etwa 21-mal schädlicher als Kohlendioxid.

Aber auch beim Reisanbau wird Methan in großem Umfang freigesetzt. Reis ist für mehr als 3,2 Milliarden Menschen die Basis für ihre Ernährung. Rund 598 Millionen Tonnen werden nach Angaben der FAO produziert. Für das Klima problematisch ist dabei der so genannte Nassanbau. Durch den Nassanbau wird im Boden des Reisfeldes ein sauerstoff-freies Milieu erzeugt, das sogenannte Methanogene begünstigt. Nach neueren Berechnungen gehen bis zu 25 Prozent der weltweiten Methan-Produktion auf den Nassreisanbau zurück, das sind bis zu 100 Millionen Tonnen pro Jahr. Da ein Methan-Molekül wirksamer ist als ein Kohlendioxid-Molekül, entspricht das umgerechnet mindestens 300 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Hauptverursacher sind hier Länder wie Indien und China. Beide Länder verursachen damit fast zehn Prozent des weltweit durch diese Anbauart ausgestoßenen Methans.

UBA schlägt Alarm Doch auch in Deutschland schlägt das Umweltbundesamt (UBA) Alarm. In einer neuen Studie warnt es: "Während in den letzten 30 Jahren die meisten Branchen durch Innovation und technischen Fortschritt große Erfolge bei der Reduzierung der Stoffeinträge in die Umwelt erreichen konnten, zeigen sich bei den landwirtschaftlichen Emissionen nur geringe Verbesserungen." Bei der Nachhaltigkeit stagniere die Landwirtschaft seit Jahren auf einem hohen Niveau und zeige nur geringe Verbesserungen. Für die Treibhausgasemissionen sei neben der Tierhaltung und Düngung besonders auch die Moornutzung und Rodung von Wäldern verantwortlich. 2013 stammten rund 54 Prozent der gesamten Methan (CH4)-Emissionen und über 77 Prozent der Lachgas (N2O)-Emissionen in Deutschland aus der Landwirtschaft. Die Landwirtschaft sei, so das UBA, bei uns deshalb nach der Industrie, die einen Anteil von rund 84 Prozent hat, der zweitgrößte Verursacher für Treibhausgas-Emissionen.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sieht deshalb "die Landwirtschaft auch in einer besonderen Verantwortung gegenüber dem Klima- und Umweltschutz". Im "Aktionsprogramm Klimaschutz 2020", das Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) im vergangenen Dezember vorgestellt hat, verpflichtet sich die Landwirtschaft, 3,6 Millionen Tonnen bis zum Jahr 2040 an Treibhausgasemissionen einzusparen, vor allem durch die Weiterentwicklung der Düngeverordnung, aber auch zum Beispiel durch eine veränderte Futterpraxis für Kühe. Fachleute empfehlen, bei der Fütterung anzusetzen, denn Versuche haben ergeben, dass Kühe weniger Methan freisetzen, wenn ihr Futter mehr Mais als Gras enthält. Auch der Umgang mit Gülle wirkt sich auf die Emissionen aus. So soll die Gülle erst kurz vor dem Ausbringen aufs Feld umgerührt werden. Zudem sollen der Umbruch von Grünland, wo viel Kohlendioxid freigesetzt wird, und die Nutzung von Moorböden als Ackerland stark eingedämmt werden.

Des Weiteren soll die Energieeffizienz im ländlichen Raum und von Kommunen verbessert werden. Kern ist hier die Energieberatung für landwirtschaftliche Unternehmen sowie die Wiederaufnahme des Bundesprogramms zur Förderung der Energieeffizienz in der Landwirtschaft und im Gartenbau und ein Förderprogramm der Bundesregierung, das Energieberater für Kommunen finanziert.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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