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EDITORIAL
Jörg Biallas
Es muss weitergehen

Das Klima braucht Fürsorge. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Seit Jahrzehnten diskutieren die Industriestaaten der Welt über die Gefahren des Klimawandels, mahnen Hilfsprogramme an, geloben besseren Umweltschutz.

Tatsächlich ist einiges geschehen. Ob das genügt? Nein, sagen Wissenschaftler bestimmt und unisono, die bisher umgesetzten Maßnahmen werden nicht ausreichen, einen Klimakollaps zu verhindern. Die zum Teil verheerenden Wetterkapriolen der Vergangenheit in vielen Teilen der Welt gelten allgemein als vergleichsweise zahme Vorboten für die befürchteten Katastrophen der Zukunft.

Aktuell richten sich die Blicke auf die Welt-Klimakonferenz, die im Dezember in Paris stattfinden soll. Als der G7-Gipfel im bayerischen Elmau dieses Treffen jüngst vorbereitend diskutierte, wurden die Ergebnisse von der Fachwelt mit sehr verhaltener Zustimmung kommentiert. Immerhin soll das Zwei-Grad-Ziel als Mittel gegen die Erderwärmung in Paris bestätigt und armen Staaten geholfen werden, wenn sie unter den Folgen des Klimawandels leiden.

Selbst wenn das so beschlossen wird, was nach den Erfahrungen der bisherigen Treffen nicht zwingend ist, und auch die nationalen Parlamente die Absprachen absegnen: Dann, das ist schon heute klar, muss es weitergehen. Es muss endlich gelingen, den Schadstoffausstoß weltweit nachhaltig zu reduzieren.

Skeptiker führen in diesem Zusammenhang gern an, Klimaschutz belaste unverhältnismäßig die Effektivität der industriellen Produktion. Sie machen damit den Wohlstand in der Ersten Welt zum Maßstab für die Gefahr, die mangelnder Klimaschutz vor allem für die Dritte Welt birgt. Eine faire, verantwortungsbewusste Politik sieht anders aus.

Ohnehin verträgt das Umweltbewusstsein gerade in den Industrienationen Nachhilfe-Unterricht. Das gilt nicht nur für Teile der Wirtschaft, sondern auch für Privatpersonen.

Während beispielsweise hierzulande das Drei-Liter-Auto floppte, haben große Wagen mit spritvertilgenden Motoren und ordentlich PS Hochkonjunktur. Vierradgetrieben und geländegängig in der Stadt im allgegenwärtigen Stau zu stehen, mag für manche chic sein. Andere empfinden das nachvollziehbar als unvernünftig, ja unsinnig. Ein fürsorglicher Umgang mit dem Klima jedenfalls sieht anders aus.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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