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Claudia Heine
Branche mit Potenzial

Linke macht Vorschläge zur Aufwertung

Es ist ein vielzitierter Vergleich in diesen Wochen, in denen die Gewerkschaften für bessere Arbeitsbedingungen in der Sozial- und Erziehungsbranche kämpfen: Es könne nicht sein, dass Menschen, die Autos bauen, mehr Anerkennung bekommen als Menschen, die mit Kindern arbeiten, betonte Jutta Krellmann (Die Linke) am vergangenen Donnerstag im Bundestag. Debattiert wurde ein Antrag (18/4418) ihrer Fraktion für eine Aufwertung der Berufe dieser Branche. Aus Sicht der Linken gehören dazu unter anderem die Gleichstellung von Leiharbeitern, die Eindämmung unfreiwilliger Teilzeitarbeit, die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung und bessere Betreuungs- und Falloberzahlgrenzen.

Krellmann verwies auf die hohe Zahl von befristeten Arbeitsverträgen in dieser Branche. 85 Prozent der unter 25-Jährigen waren dort 2013 befristet beschäftigt. Da müsse man die Frage stellen: „Kommen jüngere nach und unter welchen Bedingungen?“ Die steigenden Erwartungen der Gesellschaft an Erzieher, Lehrer und Pflegepersonal stünden in keinem Verhältnis zum Verdienst und den belastenden Arbeitsbedingungen, kritisierte sie. Deshalb sei unter anderem eine Anti-Stress-Verordnung zwingend, sagte Krellmann.

Christel Voßbeck-Kayser (CDU) betonte, es läge zuerst in der Hand der Tarifpartner, gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten auszuhandeln. Dennoch tue auch die Bundesregierung viel, um Rahmen- und Arbeitsbedingungen in der Branche zu verbessern, sagte sie und nutzte ihre Rede vor allem dazu, einige Beispiele zu nennen. So laufe bereits seit 2008 das Aktionsprogramm Kindertagespflege, im selben Jahr sei das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz in Kraft getreten und Ende 2014 das Pflegestärkungsgesetz verabschiedet worden. „All das zeigt: Wir kümmern uns.“

Leiharbeit kein ProblemNicht nur Die Linke, auch Bündnis 90/Die Grünen halten das allerdings für völlig unzureichend. So warf Beate Müller-Gemmeke (Grüne) der Bundesregierung vor, sich bei der Qualität der Kitas „einen schlanken Fuß“ zu machen, und forderte einen besseren Betreuungsschlüssel für Kitas. Auch die Linken-Forderung nach Abschaffung der sachgrundlosen Befristung unterstützte sie. Bei Befristungen seien die Löhne um 18 Prozent niedriger und es fehlten Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten, ganz zu schweigen von einer Perspektive für die Lebensplanung, begründete Müller-Gemmeke ihre Position.

Gabriele Hiller-Ohm (SPD) bescheinigte der Linken zwar, die Ungerechtigkeiten treffend zu beschreiben. Gleichzeitig nannte sie den Antrag einen „Show-Antrag“. Von den 1,2 Millionen Beschäftigten der Branche arbeiteten gerade einmal 0,3 Prozent in Leiharbeit. „Die Forderung nutzt den Beschäftigten also überhaupt nichts“, kritisierte Hiller-Ohm. Sie mahnte dennoch, dass nur über eine gerechte Bezahlung diese Berufe aufgewertet und auch für Männer attraktiv würden. Allerdings läge das nicht in der Hand des Bundestages, sondern von Ländern und Kommunen, die vom Bund übrigens mit Milliardenbeträgen entlastet würden, so Hiller-Ohm.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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