Inhalt

ROBERT HOCHBAUM
Götz Hausding
»Man muss klar sagen: Hier wurden nicht zwei Armeen fusioniert«

Aus Sicht des CDU-Politikers verlief das Miteinander zwischen ehemaligen NVA-Soldaten und alten Bundeswehrkräften nach der Wiedervereinigung problemlos

Meine zwölf Jahre als Zeitsoldat bei den Feldjägern waren 1983 vorbei. Insofern habe ich den Übergang von Teilen der NVA in die Bundeswehr nur noch als Reserveoffizier miterlebt, aber doch intensiv beobachtet und mich später als Abgeordneter und Mitglied im Verteidigungsausschuss auch immer wieder mit dem Thema beschäftigt. Man muss klar sagen: Hier wurden nicht zwei Armeen fusioniert. Die NVA wurde abgewickelt und ein Teil von ihr - sowohl personell als auch materiell - ging in die Bundeswehr über. So wurden etwa die modernsten Militärflugzeuge (MIGs) übernommen, aber auch klimatisierte Aufsätze für LKWs, über die die Bundeswehr seinerzeit nicht verfügte. Von den NVA-Soldaten wurde ein geringer Teil übernommen und natürlich erstmal durchleuchtet, inwieweit sie systemnah oder gar Politoffiziere waren. Galten sie als politisch unbedenklich konnten sie - im Regelfall ein oder zwei Dienstgrade herabgesetzt - in der Bundeswehr weitermachen. Das Miteinander zwischen ehemaligen NVA-Soldaten und alten Bundeswehrkräften verlief weitgehend problemlos. Es waren schließlich alle Soldaten, und Soldaten haben ihre eigenen Prinzipien. Soldaten dienen und sind es gewohnt, in einer Befehlshierarchie zu leben. Außerdem hatten die NVA-Soldaten eine gute und solide Ausbildung. Leider wurden in den vergangenen Jahren aber Unterschiede zwischen den ehemaligen "West"- und "Ost"-Soldaten, vor allem im Versorgungsbereich, immer deutlicher. Eine Problematik, der ich mich in meiner parlamentarischen Arbeit seit Jahren besonders widme. Es sollte ja die "Armee der Einheit" sein. Vieles haben wir in den vergangenen Jahren dazu erreicht. Einiges, wie zum Beispiel die Anpassung der Hinzuverdienstgrenzen nach dem Ausscheiden, ist noch zu erledigen. Was die Entwicklung der Bundeswehr zur Freiwilligenarmee angeht, so habe ich damit durchaus meine Probleme. Ja, im Herzen war ich gegen die Abschaffung der Wehrpflicht. Zum einen - das mag etwas altmodisch erscheinen - bin ich der Meinung, dass es niemandem schadet, in seinem Leben auch einmal etwas zu tun, zu dem man nicht unbedingt freiwillig bereit ist. Ich finde, die Zeit des Wehrdienstes war für viele eine wichtige und einmalige Erfahrung für das ganze Leben. Zudem ist es gut, selbst etwas für die Sicherheit seines Landes zu tun, denn die Welt ist im Grunde nicht sicherer geworden als beispielsweise zu Beginn der 1990er Jahre.

Dass damals die Wende für viele Menschen in der DDR Probleme mit sich brachte, habe ich selbst hautnah erfahren. Anfang 1990 wurde deutlich, dass in der DDR so etwas wie ein Arbeitsamt-System aufgebaut werden sollte. Man rechnete nun mit Arbeitslosen, die betreut werden müssen.

Ich war damals beim Arbeitsamt Karlsruhe tätig und habe meinem Chef schon sehr früh gesagt: Falls einmal Mitarbeiter für den Osten gebraucht werden, würde ich das gerne machen. Und so kam man nur wenige Wochen später auf mein Angebot zurück und ich wurde in die Region Dessau geschickt, um die dortigen Mitarbeiter entsprechend auszubilden. Das war noch vor der Währungsunion und mit Sicherheit der interessanteste Abschnitt meiner beruflichen Tätigkeit.

Da mir meine Arbeit mitten in der Aufbruchsstimmung sehr gut gefiel und ich zu den Menschen vor Ort einen sehr guten Draht fand, habe ich mich nach der Wiedervereinigung entschlossen, im Osten der Republik zu bleiben. Daher habe ich mich damals als Leiter der Arbeitsamts-Geschäftsstelle in Auerbach im Vogtland beworben und den Zuschlag bekommen. Es war eine schwierige, aber vor allem eine sehr erfüllende und sinnvolle Aufgabe. Ich wollte die Menschen beim Übergang von der alten in die neue Zeit, vom alten ins neue System unterstützen.

So haben wir die vielen Menschen, die aus ganz normalen Beschäftigungsverhältnissen heraus plötzlich auf der Straße standen, versucht, in neue Arbeit zu integrieren oder geholfen über die Zeit zu kommen, bis es wirtschaftlich wieder vorwärts ging. Bei vielen hat es geklappt - sie haben wieder Arbeit gefunden. Aber es gab auch Verlierer der Wende. Vor allem Ältere, die es trotz aller Unterstützungen nicht geschafft haben. Das sollte man nicht vergessen.

Anfangs bin ich noch gependelt. Aber noch im Verlauf des Jahres 1991 habe ich eine Wohnung in Auerbach gefunden, mich dort niedergelassen und bin im Vogtland heimisch geworden. In dieser Legislaturperiode bin ich zum vierten Mal als CDU-Direktkandidat in den Bundestag gewählt worden, was mich stolz macht.

Wenn Sie nach Unterschieden zwischen Ost und West fragen - klar, die gibt es. Die gibt es aber auch zwischen Nord und Süd. Dennoch sind wir ein Volk. Doch ein Volk hat auch unterschiedliche Ausprägungen der Regionen. In Ostfriesland geht es eben auch ganz anders zu als in Bayern.

Mir hat es im Osten von Anfang an gut gefallen. Begeistert hat mich diese Zeit der Aufbruchsstimmung in der damaligen DDR, die ich nicht missen möchte.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag