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Gastkommentare - Contra
Norbert Mappes-Niediek
Funktioniert nicht

Ist die Quote ein brauchbares Instrument?

Natürlich wäre es gerecht, die Flüchtlinge per Quote auf alle EU-Staaten zu verteilen. Nur ein Argument spricht dagegen: Es wird nicht funktionieren. Wie will man Menschen zwingen, in einem Land zu bleiben, in dem sie nicht sein wollen und das sie nicht will?

Dublin hat es vorgemacht: Es gab klare Regeln, aber die Flüchtlinge haben sich nicht daran gehalten. Die Staaten, die sie hätten aufnehmen sollen, haben mitgespielt und sie weiterkomplimentiert. Warum sollten sie das mit einer Quote nicht mehr tun? Man muss dazu keine Verträge brechen. Ein bisschen Verwaltungschaos, ein versteckter Tipp, eine fremdenfeindliche Rede: Das reicht in einem Raum offener Grenzen als Anstiftung zum Umzug aus. Darf man erwarten, dass Menschen, die schon einmal geflüchtet sind und sich dabei Todesgefahren ausgesetzt haben, sich im Namen der europäischen Solidarität in ein Containerdorf in der Walachei schicken lassen? Wer sie zwingen wollte, bekäme es mit dem Mut der Verzweiflung zu tun.

Eine Voraussetzung für die Quotenregelung, ist zu hören, seien "gleiche Standards" in allen Aufnahmeländern. Die kann aber nur fordern, wer sich in Europa nicht auskennt. Glaubt wirklich jemand, Syrer, Iraker und Afghanen könnten etwa in Griechenland kostenlos krankenversichert sein, Griechen aber nicht? Es hat seinen Sinn, wenn Versorgungsstandards sich am Niveau der Umgebung orientieren. Das Pro-Kopf-Einkommen in Deutschland ist sechs Mal so hoch wie das in Bulgarien.

Integration funktioniert nur, wenn beide Seiten wollen. Wenn die Flüchtlinge dorthin gehen, wo sie eine Perspektive haben, die Chance auf einen Arbeitsplatz und auf Bildung für ihre Kinder, dann ist das nicht nur verständlich. Es ist auch vernünftig.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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