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BILDUNG I
Annette Rollmann
Hilfe für Analphabeten

Mit einem Programm in Höhe von 180 Millionen Euro, verteilt auf zehn Jahre, will die Bundesregierung die Zahl der funktionalen Analphabeten in Deutschland spürbar senken. Unterstützt wird dieser Ansatz durch einen Antrag von CDU/CSU und SPD (18/5090), den der Bundestag am Freitag gemäß der Beschlussempfehlung des Bildungsausschusses (18/6179) mit den Stimmen der beiden Koalitionsfraktionen annahm. Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen enthielten sich der Stimme.

"Was Hans nicht lernt, lernt Hänschen nimmer mehr", sagte die SPD-Abgeordnete Marianne Schieder in der Debatte. In der Tat liegt in Sachen Lesen und Schreiben einiges im Argen in Deutschland - darüber waren sich die Redner aller Fraktionen einig: Es gibt 7,5 Millionen funktionale Analphabeten, also Erwachsene, deren Kompetenzen in Schrift und Sprache niedriger sind als es der jeweiligen beruflichen und gesellschaftlichen Anforderung entspricht. Weitere 2,3 Millionen Menschen der erwerbsfähigen Bevölkerung leiden sogar unter Analphabetismus im engeren Sinn. Diese Menschen können zwar einzelne Wörter lesen und schreiben, nicht jedoch ganze Sätze. Herausgefunden hatte das 2011 die Studie "leo. - Level-One". Sie ist die erste Studie in Deutschland, die die Größenordnung des funktionalen Analphabetismus unter der erwerbsfähigen Bevölkerung zwischen 18 und 64 Jahren ermittelt hat.

"Statistisch gesehen hat jeder mindestens einen Nachbarn, der betroffen ist", verdeutlichte Xaver Jung (CDU) das Problem. Rosemarie Hein (Die Linke) lobte den Koalitionsantrag, betonte aber, dass man die Ursachen für Analphabetismus erforschen müsse. Özcan Mutlu (Bündnis 90/Die Grünen) sprach von "erschreckenden" Zahlen. "Die Politik repariert an etwas, was nie hätte passieren dürfen. Früher und gezielter investieren, das muss das Motto sein."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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