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Heinrich August Winkler: Zerreißproben
Aschot Manutscharjan
KURZ REZENSIERT

C.H. Beck, München 2015: 230 S., 14,95 €

Michail Gorbatschow empfand "größere Befriedigung", Helmuts "Stimme zu hören". Umgekehrt sorgte sich Bundeskanzler Helmut Kohl im Frühjahr 1991, wie lange der Kreml-Chef noch das Sagen in der Sowjetunion haben würde und forderte eine möglichst schnelle Ratifizierung der sowjetisch-deutschen Verträge. Gorbatschow wiederum beklagte sich bei Kohl über das Verhalten des "Zerstörers" Boris Jelzin, der nur ein Jahr später zum "Duz-Freund" des Kanzlers avancierte und 1994 den Befehl zum Abzug der russischen Truppen aus Deutschland gab.

Keine historische Darstellung hält einem Vergleich mit der Lektüre von Originalquellen stand. Dies gilt umso mehr, wenn es um die Aufzeichnungen von Vier-Augen-Gesprächen oder streng geheimen Telefonaten der Regierungschefs geht. In dem sehr empfehlenswerten Band "Der Kreml und die deutsche Wiedervereinigung 1990" sind nicht nur die Protokolle der Telefongespräche zwischen Kohl und Gorbatschow nachzulesen, sondern auch die Vermerke der Referenten des sowjetischen Außenministers Eduard Schewardnadse zur sicherheitspolitischen Lage oder die Berichte sowjetischer Diplomaten über die Treffen mit Vertretern der DDR. Diese Dokumente sind ein wichtiger Baustein, um die Handlungen der damaligen Akteure zu verstehen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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