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ARGENTINIEN
Susann Kreutzmann
Kirchner vor dem Ende

Am 25. Oktober wählen die Argentinier 130 Abgeordnete für den Nationalkongress, 24 Senatoren, zwölf Gouverneure und nicht zuletzt ein neues Staatsoberhaupt. Als aussichtsreichster Kandidat für diesen Posten gilt Daniel Scioli von der Regierungspartei FPV. Scioli ist Gouverneur der bevölkerungsreichsten Provinz Buenos Aires und soll die seit 2007 amtierende Präsidentin Cristina Fernández Kirchner beerben, die nicht erneut antreten kann. Gelingt es ihm nicht, die Wahlen mit zehn Prozent Vorsprung vor seinem ärgsten Rivalen, dem Mitte-Rechts-Kandidaten und Bürgermeister von Buenos Aires, Mauricio Macri, zu gewinnen, muss er in die Stichwahl.

Scioli will der galoppierenden Inflation, die in Argentinien bei 30 Prozent jährlich liegt, und der Abwertung der Landeswährung Einhalt gebieten und das Land sanft reformieren. Dabei unterscheidet er sich wenig von den Aussagen seines politischen Gegners Macri. Dieser will vor allem die von Kirchner aufgebauten Handels- und Währungsbarrieren abbauen, die Investitionen im Land hemmen.

Bis vor wenigen Jahren kannte der "Kirchnerismus" praktisch keine Rivalen. Doch wegen der andauernden Wirtschaftskrise musste die Koalition bei der Parlamentswahl vor zwei Jahren starke Stimmenverluste hinnehmen und konnte nur knapp ihre Mehrheit im Kongress behaupten. Kirchner hat vor ihrem Abgang Getreue auf Schlüsselpositionen platziert. So soll ihr Sohn, der 38-jährige Máximo, als Abgeordneter in den Kongress einziehen und so auf eine spätere Präsidentschaftskandidatur vorbereitet werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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