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LINKSFRAKTION
Claus Peter Kosfeld
Zwei neue Oppositionsführer

Mit der neuen Doppelspitze der Linken endet die Ära Gysi

Für die Fraktion Die Linke im Bundestag bricht zur Mitte der Legislaturperiode eine neue Ära an. Der bisherige Fraktionschef Gregor Gysi (67) übergab in der vergangenen Woche den Posten nach zehn Amtsjahren in Folge an seine Nachfolger Sahra Wagenknecht (46) und Dietmar Bartsch (57). Von einem politischen Traumpaar ist aber nicht die Rede, vielmehr resultiert die Doppelspitze auch aus dem schon länger andauernden Flügelstreit innerhalb der Linkspartei. Mit der Wortführerin der Parteilinken und dem pragmatisch reformorientierten Bartsch stehen nun Vertreter dieser beiden Lager an der Spitze der größten Oppositionsfraktion und werden künftig, so die Hoffnung Gysis, zu vernünftigen Kompromissen gezwungen sein.

Wagenknecht stammt aus Jena und hat neben dem Studium der Philosophie und Literatur mit einer volkswirtschaftlichen Arbeit einen Doktorgrad erworben. Die Frau des früheren Parteichefs Oskar Lafontaine gilt als dogmatische Linke, versierte Rednerin und ist seit 2009 Mitglied des Bundestages.

Bartsch stammt aus Stralsund, ist ebenfalls promovierter Ökonom und schaffte es schon 1998 bis 2002 in den Bundestag. Seit 2005 ist er wieder durchgängig im Parlament vertreten. Bartsch hatte schon Anfang der 1990er Jahre in der Vorgängerpartei PDS herausgehobene Ämter inne und gilt innerhalb der Linken als sehr gut vernetzt. Anders als Wagenknecht, die Fundamentalopposition betreibt, setzt er darauf, dass seine Partei mit der SPD auf Bundesebene perspektivisch Regierungsverantwortung übernimmt.

Ob die Gegensätze in konstruktive Politik münden, bleibt abzuwarten. Die neue Führung erhielt bei der Wahl einen Vertrauensvorschuss von den Abgeordneten. Auf Wagenknecht entfielen 78,3 Prozent der Stimmen, Bartsch kam sogar auf 91,6 Prozent. Beide versicherten, sie hätten Differenzen ausgeräumt. "Diese Frontstellungen, die gibt es so in dieser Form nicht mehr", sagte Wagenknecht. Und Gysi verkündete: "Ich bin ein Zweckoptimist und denke, sie werden es schaffen."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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