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Götz Hausding
Kein Grund zur Panik

Experten fordern Herdenschutz statt Bejagung

Der Wolf stellt keine Gefahr dar - zumindest nicht für die Menschen. Weidetierhalter müssen sich hingegen durchaus Gedanken um den Schutz ihrer Tiere machen. So in etwa lässt sich das öffentliche Fachgespräch im Umweltausschuss vergangene Woche zusammenfassen. Markus Bathen vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) bezeichnete dabei die Koexistenz von Wolf und Mensch in Deutschland als machbar. Unfälle, bei denen Menschen Schaden durch Wölfe nehmen, gingen nicht über das Maß einer normalen Gefahr des täglichen Lebens hinaus, sagte Bathen. Daran ändere auch die medial stark verzerrte Darstellung des Zusammenlebens von Mensch und Wolf nichts, die negativer als die Realität sei.

Einen Dreiklang aus Wolfsmonitoring, Herdenschutz und Öffentlichkeitsarbeit forderte Ilka Reinhardt vom Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland. Eine Bejagung des Wolfes lehnte sie ab. Aus wissenschaftlicher Sicht sei davon nichts zu halten, sagte Reinhardt.

Auch für die These, mit der Erlaubnis zur Bejagung steige die Akzeptanz des Wolfes in der Bevölkerung gibt es aus Sicht der Biologin keine Belege.

In Niedersachsen sei ein deutliches Wachstum der Wolfspopulation auszumachen, sagte Britta Habbe von der mit dem Wolfsmonitoring beauftragten Landesjägerschaft Niedersachsen. Bei einem jährlichen Anstieg von über 30 Prozent sei davon auszugehen, dass Niedersachsen künftig nahezu flächendeckend vom Wolf belaufen werde. Vor diesem Hintergrund und der Tatsache, dass zuletzt mehrfach Nahkontakt des Wolfes zum Menschen festgestellt worden sei, warnte Habbe vor einer sinkenden Akzeptanz des Wolfes.

Ohne gut ausgebildete Herdenschutzhunde könnten in vielen Regionen Brandenburgs keine Schafherden mehr draußen stehen, sagte Knut Kucznik, selbst Schäfer und gleichzeitig Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde. "Wir Hirten sind nicht gegen den Wolf, sondern für unsere Tiere", sagte Kucznik und kritisierte, dass die Weidetierhalter mit den Kosten für den Herdenschutz durch gut funktionierende Herdenschutzhunde allein gelassen würden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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