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Aufgekehrt
Sören Christian Reimer
Südafrikas Xavier Naidoo

Im Rückblick muss man dem ehemaligen Finanzminister Oskar Lafontaine (Ex-SPD, Ex-WASG, heute: Die Linke) schon ein gewisses Durchhaltevermögen attestieren. Er hielt es nicht nur knapp 40 Jahre in der SPD aus, sondern auch gut und gerne 135 Tage als Finanzminister. Dann schmiss er allerdings gefrustet hin.

Im Vergleich zu David van Rooyen brachte es der Saar-Napoleon allerdings auf eine vergleichsweise lange Amtszeit. Der neue und ehemalige Finanzminister Südafrikas blieb genau fünf Tage im Amt. Am 9. Dezember diesen Jahres wurde er von Südafrikas Präsident Jacob Zuba ernannt. Am Sonntag darauf war er seinen Job wieder los. Geht man davon aus, dass sich van Rooyen ein freies Wochenende gönnen wollte, zählen die letzten beiden Tage nicht mal wirklich als Arbeitszeit. "Wir sehen uns am Montag" blieb im südafrikanischen Finanzministerium ein leeres Versprechen.

Als Grund für das abrupte Ende einer Karriere, die eigentlich noch gar nicht begonnen hatte, nannte der Präsident die massive Kritik an der Ernennung. Damit ist van Rooyen quasi der Xavier Naidoo (Amtszeit als ESC-Kandidat: drei Tage) der südafrikanischen Politik - also ein vermeintliches Opfer eines "Shit-storms". Was sich bei Naidoo im Netz auf ARD und NDR entlud, war bei van Rooyen an den Finanzmärkten zu spüren. Die südafrikanische Währung und einige Bankaktien des Landes stürzten ab. Man fürchtete gar um das Kreditrating des Staates, quasi das Äquivalent zum angedrohten Fan-Boykott des Eurovision Song Contests. Van Rooyen hat inzwischen einen neuen Ministerposten bekommen, auch daran gibt es wieder laute Kritik. Klar ist: Sein Weg wird kein leichter sein.Sören Christian Reimer

Aus Politik und Zeitgeschichte

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